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hatsch - 18.02.2007, 08:38
Gedicht: Tatort Sonntag
Jeden Sonntag Abend vollzieht sich beim mir, wie bei vielen anderen deutschsprachigen Bundesbürgern oder Exilösterreichern die in der BRD weilen, dasselbe Ritual. Nach dem Weltspiegel um 19.20, kommt der Tatort und man taucht ein in die Welt der TV Komissare und Mordfälle, man wird zum Hobbyphatologen oder zur Hobby Miss Marple.
Zum Thema Sonntagsabendritual habe ich folgendes Gedicht in der Taz gefunden:
Tatort Sonntag von Fritz Eckenga
Quelle:http://www.taz.de/pt/2007/02/17/a0251.1/text
Der Pathologe zieht den Zahn
mit einer Kombizange.
Der Kommissar steht nebenan
und kratzt sich an der Wange.
Der Kommissar, die Schmerzgestalt,
fragt Fragen von der Stange:
"Wie lange ist die Leiche kalt?"
Der Arzt sagt kurz: "Noch lange."
Der Kommissar, ein Magentyp,
stößt auf und fragt dann sauer,
was man so fragt als Frustpolyp:
"Bekomme ich's genauer?"
Der Pathologe tut die Pflicht,
im Auftrag der Autoren:
"Sie haben's morgen im Bericht."
Dann fängt er an zu bohren.
So muss ein toter Dialog
noch dreizehnmal krepieren,
so zieht als Übung und Prolog,
damit die Kunden frieren,
wie in Jahrhunderten gewöhnt,
der Glotzenfrost durchs Zimmer.
Die Kundschaft weiß Bescheid und stöhnt:
Nach schlimm kommt immer schlimmer!
Nach "Tatort" kommt die Kaltmamsell,
die kreischende Platine.
Genannt das sprechende Skalpell,
die tödliche Sabine.
So war und ist und bleibt es Brauch,
und heißt Sabine hinten Jauch,
beziehungsweise Jauch auch Will:
Nach "Tatort" bleibt die Glotze still!
Fritz Eckenga
taz Nr. 8204 vom 17.2.2007, Seite 24, 45 Dokumentation Fritz Eckenga, Gedicht
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