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Julia - 17.02.2007, 00:40
Hallo
Hallo zusammen
Per Zufall bin ich auf dieses Forum gestossen, und bin sehr sehr überrascht, geradezu verblüfft.. Seit ich denken kann leide ich an dieser Phobie und hatte immer das Gefühl, mit dieser „abnormalen“ Angst alleine auf der Welt zu sein. Eure Beiträge sprechen mir total aus dem Herzen, ich kann es wirklich fast nicht fassen, dass es so vielen genau gleich geht!!
In diesen Tagen ist die Schweiz von der Fasnacht (Karneval) bestimmt. Ich weiss nicht wie das in Deutschland ist, in der Schweiz, im Besonderen in dieser Region ist diese Zeit sehr mit Knallereien verbunden, d.h. für mich eine zusätzliche Zeit der Isolation neben Nationalfeiertag und Silvester.
Gerade diese Isolation macht mir so sehr zu schaffen. Die Einschränkungen, die ich in Kauf nehme, dieser grosse Verzicht, mitzufeiern und ausgelassen zu sein. Bei mir ist das auch mit einer grossen Wut verbunden, nur weil es ein paar Jungs gerne knallen lassen, wird mir (uns) alles versaut. Ich werde total aggressiv und entwickle manchmal sogar Hassgefühle gegen die Leute, die das Zeugs abfeuern. Anderen Leute ist das in keiner Weise bewusst was das auslösen kann. Ich fühle mich dann wie nicht von dieser Welt, kann nicht begreifen wie all diese Leute z.B. an einem Nationalfeiertag gemütlich draussen sitzen können wo nebenan Feuerwerk gezündet wird; und ich sitze zu Hause und wünsche mir, mich in Luft aufzulösen zu können um nichts mitzukriegen.
Wie es bereits jemand angesprochen hat, ist auch die Angst, was alles passieren könnte, ein grosses Problem. An Tagen wie Nationalfeiertag und Silvester weiss ich, dass ich zu Hause bleiben muss. Aber die Zeit davor, ab Verkaufsbeginn, bin ich immer auf der Hut und entwickle regelrecht Phantasien, was gleich passieren könnte. Ich schaffe es nicht, mich zu entspannen und einfach darauf zu vertrauen, dass, falls etwas Unerwartetes passieren würde, ich gelassen reagieren kann. Mir fehlt wie ein Sicherheitsgefühl, das Vertrauen. Es ist so schwierig zu beschreiben, aber so ein Knall ist für mich wie ein Schmerz, wie ein Schlag. Gewalt. Vielleicht habe ich sogar Angst um mein Leben. Nur zu gerne möchte ich wissen, woher diese Angst kommt. Ich habe auch schon von Kriegsgeschädigten gelesen, die um ihr Leben bangen, wenn sie einen Knall hören. Kann bei mir nicht sein, da ich nie einen Krieg erlebte.. ;-) Aber ich kann mir vorstellen, dass sich das so ähnlich anfühlt.
Von meiner Phobie wissen nicht viele Leute. Sogar sehr engen Freunden habe ich nichts davon erzählt. Ich schäme mich für diese Angst. Ich kann nicht dazu stehen. Habe evt. auch Angst vor dem Unverständnis, das ich denke zu erhalten. Man lernt mit den Jahren sich zu verhalten, dass möglichst niemand etwas davon merkt, mit Notlügen, Ausreden, etc. Auch ist es in gewissen Situationen einfacher, wenn niemand davon weiss. Es ist einfacher, sind in einer Gesellschaft in einem „gefährlichen“ Moment zu entschuldigen, wenn niemand weiss, dass es nur eine Ausrede ist…
Ich frage mich, gibt es nur die "auf-in-den-Kampf"-Methode? Hat jemand auch schon Methoden wie z.B. Hypnose ausprobiert?
Thunder - 17.02.2007, 21:37
Hallo Julia, willkommen hier im Forum.
Viel ist hier momentan nicht los, aber schreib ruhig in alle Themen die dich interessieren, und teile dich mit, dann kommen auch alle wieder aus ihren löchern ;)
Als Schweizer biste vom "Rütlifescht" (so heisst doch der 1.8., oder) sicher mehr "gewöhnt" als wir deutschen, euer Feuerwerk ist da doch durchaus lauter als unseres.
Beschränkt sich deine Angst nur auf Feuerwerk, oder auch Ballons?
ralf br. - 17.02.2007, 22:31
Grüezi wohle hier im forum,
Hypnose wird wohl wenig bringen, man muß seine Angst aktiv angehen.
Lies mal die Beiträge auch im ersten = "alten" forum (siehe link), da steht einiges drin, wie viele von uns die Sache angegangen sind und Erfolg hatten.
Je mehr man die Konfrontation mit den angstauslösenden Reizen meidet, desto stärker, unüberwindbarer werden sie für einen, denn die Gedanken schaukeln sich hoch.
Konfrontation - auch wenn sie anfangs viel Überwindung und Kraft und Energie kosten mag - war und ist für mich der Schlüssel zum Erfolg. Darüber habe ich ausführlich im alten forum geschrieben (ich glaube unter "vorstellen", weiß selbst nimmer genau wo, aber ich habe die Texte hier bei mir noch abgespeichert).
viele Grüße an alle
vanessa - 18.02.2007, 21:40
Herzlich Willkommen hier im Forum! :D
Ist denn in der Schweiz Silvester wirklich so tragisch?
Ich war als Kind oft Skifahren dort über Silvester und wir hatten eigentlich kaum Knallerei um uns.
Vielleicht hat sich das aber über die Jahre auch geändert...
Den Nationalfeiertag stell ich mir bei euch schon schlimmer vor.. :shock:
Rookie_One - 19.02.2007, 09:53
Als "Neu"-Schweizer seit Oktober 2006 kann ich das bestätigen, was Du sagst, Vanessa. Silvester hier in Basel habe ich als vergleichsweise entspannt erlebt gegenüber Deutschland. Die Fasnacht habe ich hier auch schon dreimal miterlebt, auch das war nicht mit Knallerei verbunden, soweit ich es mitbekommen habe. In welcher Gegend in der Schweiz bist Du denn, Julia? Es scheint bei Dir ja im Verhältnis zu Basel nochmals verschärft zuzugehen...
Julia - 19.02.2007, 22:08
Guten Abend allerseits
Stimmt, das Feuerwerk an Silvester ist wirklich nicht so schlimm hier in der Schweiz. Dafür legen sich die Schweizer am Nationalfeiertag doppelt ins Zeug.
Ich bin aus der Zentralschweiz, in Luzern geht ganz mächtig was ab an der Fas-nacht! Es wird viel geknallt, mich stressen sogar die Käpslipistolen der Kleinen. Diese Zeit ist zusammen mit der um den Nationalfeiertag meine „Schlimmste“. Zwar habe ich auch grosse Angst vor Luftballons, mit diesem Problem war ich aber in meiner Kindheit sehr viel mehr konfrontiert als heute.
Zu den Methoden: Eigentlich weiss ich, dass nur die direkte Konfrontation mit der Angst eine Verbesserung bringen kann. Irgendwie habe ich aber Angst, ich könn-te damit noch mehr „Traumas“ auslösen und das ganze nur noch Schlimmer ma-chen. Was meint ihr dazu?
ralf br. - 20.02.2007, 23:02
Zitat:
Ich bin aus der Zentralschweiz, in Luzern geht ganz mächtig was ab an der Fas-nacht! Es wird viel geknallt, mich stressen sogar die Käpslipistolen der Kleinen. Diese Zeit ist zusammen mit der um den Nationalfeiertag meine „Schlimmste“. Zwar habe ich auch grosse Angst vor Luftballons, mit diesem Problem war ich aber in meiner Kindheit sehr viel mehr konfrontiert als heute.
Zu den Methoden: Eigentlich weiss ich, dass nur die direkte Konfrontation mit der Angst eine Verbesserung bringen kann. Irgendwie habe ich aber Angst, ich könn-te damit noch mehr „Traumas“ auslösen und das ganze nur noch Schlimmer ma-chen. Was meint ihr dazu?
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Nein ,das glaub ich nicht. Ich hatte mal Therapiesitzungen, da kamen die Anregungen „von außen“. Hier könnte ich mir das Auslösen alter, vergessener Traumata vorstellen. Diese Therapie habe ich nicht mehr weiter durchgezogen, ich hatte den Eindruck, die Therapeutin stocherte noch mehr im Nebel herum als ich…
Wenn du aber selbst Konfrontationstherapie betreibst, kommen die Anregungen, die Gedanken dazu, von dir selber, vom Innen drin.
Hier meine Erfahrungen:
Ich habe selber an mir gearbeitet, habe im Internet gesucht und bin auf die Seite von Dr. Hans Morschitzky gestoßen, der einige Super-Bücher für uns Phobys geschrieben hat. Auf seinen Internetseiten zur Konfrontationstherapie (siehe altes forum) steht die Quintessenz aus den Büchern. Diese habe ich mir zur Brust genommen, habe drüber reflektiert, das für mich Wichtige = Zutreffende ´rausgezogen. Und habe gehandelt.
Und war verblüfft, wie „einfach“ doch solche Sachen gehen, die man „nieeee“ hätte machen trauen. Ja, es ist wesentlich kräftezehrender, die Angst zu unterdrücken, als sich ihr zu stellen und sie in die Schranken zu weisen.
Viele Grüße
Ligyrophobicus - 21.02.2007, 15:48
Herzlich Willkommen, Julia.
Zitat: Seit ich denken kann leide ich an dieser Phobie und hatte immer das Gefühl, mit dieser „abnormalen“ Angst alleine auf der Welt zu sein. Eure Beiträge sprechen mir total aus dem Herzen, ich kann es wirklich fast nicht fassen, dass es so vielen genau gleich geht!!
Geht mir genaus so. Allerdings muss Angst nicht abnormal sein. Angst du haben ist gut und auch natürlich. Eine gewisse Angst schützt auch vor Unfällen. In der heutigen Zeit ist es leider so, dass Angst oft als negativ und schlecht betrachtet wird. Heute gilt es Angst und Gefühle zu unterdrücken. Bei den Männern ist das besonders extrem, bei Frauen wird Angst mehr toleriert. Wenn man sich die Bücher von Kant und den Aufklärern anschaut, merkt man, dass bereits mit der Aufklärung, welche die Vernunft über die Gefühle gestellt hat, eine verherrende Entwicklung eingesetzt hat.
Zitat: Ich werde total aggressiv und entwickle manchmal sogar Hassgefühle gegen die Leute, die das Zeugs abfeuern.
Geht mir auch so. Die Hassgefühle werden bei mir immer stärker.
Zitat: Anderen Leute ist das in keiner Weise bewusst was das auslösen kann. Ich fühle mich dann wie nicht von dieser Welt, kann nicht begreifen wie all diese Leute z.B. an einem Nationalfeiertag gemütlich draussen sitzen können wo nebenan Feuerwerk gezündet wird; und ich sitze zu Hause und wünsche mir, mich in Luft aufzulösen zu können um nichts mitzukriegen.
Damit muss man wohl umgehen lernen. Ich kann das auch nicht verstehen. Es gibt Momente an denen wäre ich am liebsten auf einer einsamen Insel wo ich meine Ruhe hätte.
Zitat: Als Schweizer biste vom "Rütlifescht" (so heisst doch der 1.8., oder) sicher mehr "gewöhnt" als wir deutschen, euer Feuerwerk ist da doch durchaus lauter als unseres.
Ein "Rütlifescht" gibt es eigentlich nicht. Am 1. August wird bei uns einfach der Gründung der Schweiz gedenkt. Es gibt einen "Rütlischwur".
Zitat: Ist denn in der Schweiz Silvester wirklich so tragisch?
Ich war als Kind oft Skifahren dort über Silvester und wir hatten eigentlich kaum Knallerei um uns.
Vielleicht hat sich das aber über die Jahre auch geändert...
Silvester ist in der Schweiz sicher weniger tragisch als der 1. August. Allerdings hat die Knallerei an Silvester immer mehr zugenommen. Es kommt natürlich auch drauf an wo man wohnt.
Zitat: Den Nationalfeiertag stell ich mir bei euch schon schlimmer vor.. :shock:
Und das zu recht. Ist nicht mehr normal am 1. August. Wenn möglich gehe ich über diese Zeit in die Ferien.
Zitat: Ich bin aus der Zentralschweiz, in Luzern geht ganz mächtig was ab an der Fas-nacht! Es wird viel geknallt, mich stressen sogar die Käpslipistolen der Kleinen. Diese Zeit ist zusammen mit der um den Nationalfeiertag meine „Schlimmste“. Zwar habe ich auch grosse Angst vor Luftballons, mit diesem Problem war ich aber in meiner Kindheit sehr viel mehr konfrontiert als heute.
Ich bin auch aus der Zentralschweiz. Es stimmt was du über Luzern sagst. Die Käpslipistolen stören mich auch, sie sind ja auch nicht gerade leise.
Have a nice day.
PS: Julia du hast eine PN.
Thunder - 21.02.2007, 18:00
Ligyrophobicus hat folgendes geschrieben:
Ein "Rütlifescht" gibt es eigentlich nicht. Am 1. August wird bei uns einfach der Gründung der Schweiz gedenkt. Es gibt einen "Rütlischwur".
Oh, dann möge man mir das nachsehen.. Ich hab da wohl was durcheinandergewürfelt..
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