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ralindakim - 16.02.2007, 13:36
Artikel über Martin Hyun
Über den Deutschkoreaner Martin Hyun wurde in der Online Ausgabe der Zeit ein Artikel veröffentlicht, der hier zu lesen ist:
http://www.zeit.de/leben/deutschland/simon_25?page=all

Da ich den Artikel sehr gut fand habe ich den Artikel hier reinkopiert.

"Wir brauchen Zutrauen"

Martin Hyun spielte als erster Deutschkoreaner in der deutschen Eishockeyliga. Er dient gerne als Beispiel dafür, dass in Deutschland nicht alle Migrantenkinder chancenlos sind. Von Susanne Simon

"Als wir in die Schule kamen," erzählt Martin Hyun, "gaben unsere Eltern meinen Schwestern und mir deutsche Vornamen. Seitdem heiße ich Martin und nicht mehr Jong-Bum. Das sollte uns die Integration erleichtern. Im Kindergarten war es mir nicht aufgefallen, dass es etwas Besonderes ist, Deutschkoreaner zu sein. Migrantenkinder waren in der Überzahl. 'Drei Chinesen mit dem Kontrabass' habe ich laut mitgesungen. Doch später kompromittierten mich Leute, die mich nicht kennen, mit dem Kompliment, mein Deutsch wäre ja sehr schön.

Äußerlich bin ich Koreaner, innerlich Deutscher, denn hier, in Krefeld, bin ich geboren und aufgewachsen. Aber: Ich bin ein anderer Deutscher - und ein anderer Koreaner. Während meiner Aufenthalte in Korea habe ich von Bratwurst und Kartoffelsalat geträumt. Nach einer halben Stunde im Schneidersitz sind mir die Beine eingeschlafen, ich musste aufstehen und mir einen Stuhl nehmen.

Meine Eltern hatten sich hier kennen gelernt, nachdem sie 1971 nach Deutschland gekommen waren. Ihr Land war damals wirtschaftlich vergleichbar mit dem Sudan. Meine Mutter fühlte sich als Erstgeborene verpflichtet auszuwandern, um für ihre sechs Geschwister und ihre Mutter Geld zu verdienen. Ihr Vater war im Korea-Krieg gefallen. Mein Vater kam her, weil er kein Geld fürs Studium hatte - er hatte davon geträumt, Bankier zu werden. Sein Vater war im Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommen.

Meine Eltern gehören zu der Generation, die sich lautlos ein Leben in Deutschland aufgebaut hat - und das ihrer Verwandten in Korea. Sie sind daran gewöhnt, Geschichte und Schmerz nicht nach außen zu tragen, weder in das Land, in dem sie leben, noch zu den eigenen Kindern. In ihrer Heimat mussten sie sich einer Prüfung unterziehen, bevor sie ins Ausland arbeiten gehen durften. Ich vermute, dass Korea in jedem Einzelnen einen Botschafter des Landes sah. Meine Mutter war Krankenschwester und auch in Deutschland arbeitete sie in diesem Beruf - 30 Jahre lang. Mein Vater wurde zunächst Bergmann untertage, dann Vorarbeiter bei Thyssen-Edelstahl. Deutsch hat er in herber Atmosphäre gelernt. Noch heute spricht er es gebrochen. Lautlos sage ich auch, weil sie nach anfänglichen Bemühungen, sich zu integrieren, unter sich geblieben sind. Mein Vater meinte, dass ich in Deutschland das Doppelte geben müsse, um geachtet zu werden. Er hatte Recht."

Der Schiedsrichterbeauftragte der Deutschen Eishockey-Liga, Jupp Kompalla, war zufällig im Eislaufstadion, als der fünfjährige Martin seine ältere Schwester einmal aufs Eis begleitete. Er muss dessen Potenzial erkannt haben. Martins Vater war sofort einverstanden, seinen Sohn in der Kindermannschaft des Krefelder Eislaufvereins trainieren zu lassen.

Als Jugendlicher träumte Martin Hyun davon, als erster Deutschkoreaner profimäßig in einer hohen Liga zu spielen. Dies Ziel zu erreichen erforderte große Disziplin. "Eishockey ist eine von Weißen dominierte Sportart," sagt er. "Man traute mir das nicht zu. Ich musste viel mehr als andere leisten, um in der Mannschaft anerkannt zu werden. Koreaner werden noch immer auf den Volkssport Taekwon-Do festgelegt. Das Stereotyp wollte ich brechen." Das Publikum beschimpfte ihn als "Reisfresser!", "Schlitzauge!", "Nasi Goreng!".

Er schluckte solche Worte und behielt sie für sich, verfolgte unbeirrbar sein Ziel, mit der Unterstützung der Eltern im Rücken. Der Vater fuhr Martin jeden Morgen um fünf Uhr vor seiner Arbeit ins Stadion, damit er eine Stunde trainieren konnte, und guckte ihm zu. Er radelte seinem Sohn mit dem Fahrrad voraus, wenn der laufen ging. Er fuhr ihn zu sämtlichen Eiskunstschulen in Europa. Seine Eltern verzichteten viele Jahre lang auf Urlaub, um die Kosten tragen zu können.

Hyun studierte an mehreren amerikanischen Universitäten, die auch Eishockey anboten. In Brüssel legte er seinen Master für International Relations ab. In den Sommerferien kam er nach Krefeld, um mit der Profimannschaft zu trainieren. Als Hyun schließlich seinen ersten Vertrag für die Saison 2004/05 mit der Profimannschaft der Krefelder Pinguine unterschrieb, war er fertig studierter Politologe mit Nebenfach International Business. Mit der Unterschrift ging sein Traum in Erfüllung. Er wurde der erste Deutschkoreaner, der in der Deutschen Eishockey-Liga spielte.

Diese Erfüllung bedeutete Martin Hyun mehr als persönlicher Erfolg. "Ich habe ein Zeichen für die Deutschkoreaner der zweiten Generation gesetzt. Vielleicht wird es ein anderer nach mir leichter haben. Seit ich mit 15 Jahren in der Deutschen Nationalmannschaft der Junioren spielte, ist es mir immer wichtig gewesen, den Fokus von mir auf die Deutschkoreaner meiner Generation zu lenken, uns publik zu machen. Es gibt viele, die es geschafft haben, sich in anderen Berufen hoch qualifiziert auszubilden. Das geht ein wenig unter in der allgemeinen Diskussion um die Chancenlosigkeit von Migrantenkindern. Was wir brauchen, ist das Zutrauen der Gesellschaft in uns. Dazu müssen wir uns mehr artikulieren. Ich möchte ein Sprachrohr sein, und die Lautlosigkeit beenden und auch andere Gruppen von Migranten mit einbeziehen. Es wäre zu wenig, wenn ich mich bei meinen Eltern bedankte - obwohl sie uns Kindern kompromisslos ihre eigenen Träume geopfert haben."

ZEIT online, 06.09.2006
Kwi Ok - 22.02.2007, 21:35

Hier ist noch ein Link zu einem Interview mit Martin Hyun zum

Thema: Deutsch - Koreanische Integration

http://www.readers-edition.de/2006/11/17/martin-hyun-deutsch-koreanischer-feridun-zaimoglu-zu-integration
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