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Philipp - 30.12.2006, 13:59
Sven Regener - Herr Lehmann & Neue Vahr Süd
Hallo allerseits,
ich wollte euch mal zwei Bücher nahebringen, die ausnahmsweise mal nichts mit Zwergen, Elfen, Hobbits, Gnomen und sonstigen Fantasiegestalten zu tun hat - schließlich gibt es auch ja anderen Genres - und möchte euch einen der interessantesten Autoren unserer Zeit vorstellen: Sven Regener.
Er ist der Frontmann der Band "Element of Crime", die sich zwar nicht unbedingt musikalisch hervortut, aber zumindest textlich eine wahnsinnige tiefe und gesellschaftskritik erreicht. Das ist den Leuten allerdings erst aufgefallen, nachdem er sein erstes Buch, Herr Lehmann, veröffentlicht hat.
Um euch das Buch eventuell schmackhaft zu machen, hie rmal ein Ausschnitt aus der Amazon-Redaktion:
Zitat: Aus der Amazon.de-Redaktion
Kreuzberger sind schon komische Vögel. Sie sitzen Abend für Abend am Tresen, trinken Kristallweizen ohne Zitrone und gehen erst ins Bett, wenn Mutti in Bremen schon wieder aufsteht. Und wenn draußen die Mauer fällt, bestellen sie erst mal in Ruhe noch ein Bier. Denn was ist schon das Ende der Geschichte (denkt sich der Leser am Ende dieser Geschichte) gegen die Frage, ob die Zeit schneller oder langsamer vergeht, wenn man betrunken ist?
Herr Lehmann ist Kreuzberger. Kreuzberger sind Menschen, die irgendwann einmal aus Schwaben, Achim oder Herford nach Berlin gekommen und dort "hängen geblieben" sind. Herr Lehmann kommt ursprünglich aus Bremen und möchte eigentlich Frank genannt werden, aber das ignorieren seine Freunde: denn bald ist Herrn Lehmanns dreißigster Geburtstag. Und 30 Jahre alt zu werden, weiß Herr Lehmann, ist Scheiße, weil man da langsam "beginnt, eine Vergangenheit zu haben, eine gute alte Zeit und den ganzen Scheiß." Und weil auf einmal alle anfangen zu fragen, was man denn bitte schön anfangen wolle mit dem eigenen Leben. Denn dass jemand zufrieden damit ist, Kellner zu sein, ist in dieser Stadt, in der alle "eigentlich Künstler" sind, nicht vorgesehen -- "aber was ist das für ein trauriger Umgang mit dem, was man tut, wenn man es immer nur als Zwischenlösung ansieht, als nichts Richtiges?"
(Quelle: http://www.amazon.de/Herr-Lehmann-Sven-Regener/dp/3442453305/sr=8-1/qid=1167479518/ref=pd_ka_1/028-9178352-1188569?ie=UTF8&s=books)
Es ist schwierig, dieses Buch angemessen zu beschreiben. Der schreibstil ist schlichtweg toll, ausserdem widerspricht das Buch vielen Klischees, es gibt keinen Helden, aber auch keinen "gebrochenen Antihelden", alles in allem passiert in dem Buch sowieso nicht viel, trotzdem ist es niemals langweilig.
Sven Regener hat dieses Jahr noch ein Buch hervorgebracht, Neue Vahr Süd, das zehn Jahre früher in Bremen spielt, ebenfalls mit Frank Lehmann als Protagonisten. Hier wieder ein Ausschnitt aus der Amazonredaktion:
Zitat: Frank Lehmann ist zurück. Neue Vahr Süd erzählt, wie es dem liebenswerten Kauz neun Jahre vor den Erlebnissen in Sven Regeners grandiosem Erstlingswerk Herr Lehmann ergangen ist. Lehmanns Freunde nennen ihn noch bei seinem Vornamen Frank, er wohnt noch in Bremen bei seinen Eltern im Neubauviertel Neue Vahr Süd und muss seinen Wehrdienst ableisten, weil er schlicht vergessen hat zu verweigern. Und damit ändert sich sein Leben völlig.
Kaum kommt er nach der ersten Woche beim Bund wieder nach Hause, hat sich sein Vater in seinem Zimmer ausgebreitet, um dort kaputte Fernseher zu reparieren. Frank versteht den Wink mit dem Zaunpfahl und zieht aus. In der neuen WG seines Freundes Martin Klapp ist zufällig noch ein kleines Durchgangszimmer frei, und da er unter der Woche eh in der Kaserne ist, genügt ihm das. Und so pendelt er wöchentlich zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten hin und her, von der Kaserne, wo er seine Hemden ordentlich auf A4 Format zusammenlegen muss, zu seiner politisch linken WG, in der niemand abspült. Nur getrunken wird hier wie da.
Frank Lehmann hält immer innerlich Distanz, beobachtet und hinterfragt alles mit einer naiven Sturheit, die das Absurde in beiden Welten aufdeckt. Er verliebt sich und versucht, es sich selbst wieder auszureden, schließlich bringt es ja doch nur Probleme. Und Probleme hat er schon genug beim Bund, in der WG und mit den Eltern, die nicht zuhören, weder ihm, noch sich selbst. Überhaupt wird im ganzen Buch selten richtig zugehört und viel geredet. So entstehen herrliche Dialoge, die Satz für Satz die Figuren und ihre Unfähigkeiten entlarven. Doch nicht bissig-verbittert oder mit erhobenem Zeigefinger, sondern hintergründig, mit viel Humor und irgendwie auch Verständnis für all die seltsamen Gestalten. Neue Vahr Süd ist urkomisch und streckenweise bedrückend zugleich. So lebendig und facettenreich, so klar wie verspielt, so schlichtweg brillant, dass man vor dem Autor nur den Hut ziehen kann und inständig flehen: mehr davon!
Obwohl viele der Ansicht sind, dass das neuere Buch das bessere wäre, finde ich allerdings das erste Werk wesentlich gelungener. Aber das ist geschmackssache, und ich bin ja auch noch nicht ganz durch :) [/quote]
Hammerfaust - 02.01.2007, 21:23
Andere Genres? :shock: Außer fantasy? :pray: :troll:
BLASPHEMIE :evil5:
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:wink:
Philipp - 02.01.2007, 21:30
ich weiss nicht, ich kann nicht IMMER nur fantasy lesen
98-99% schon, aber IMMER?
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