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manuxenia - 29.08.2004, 17:58
Die acht Jahresfeste
Die acht Jahresfeste
Die im Folgenden aufgeführten Deutungsversuche der acht Jahresfeste und ihrer Riten basieren auf Überlieferungen, historischen Quellen, Interpretation heutiger traditioneller Bräuche, deren Auslegung durch verschiedene heidnische Strömungen und meiner eigenen Einschätzung ihrer Plausibilität. Die Ausführungen erheben also keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder gar Wissenschaftlichkeit.
Es sei jedem selbst überlassen, eine völlig andere Auffassung von seinen eigenen Festen und Ritualen zu haben und zu behalten. Die hier angesprochenen Aspekte sind nur als Anregungen für Möglichkeiten der Interpretation und des Begehens dieser Feste gedacht. Fertige Zeremonien werden hier ebensowenig vorgegeben wie vorgekaute Rituale. Geliefert wird lediglich ein mögliches Gerüst, das es selbst mit Inhalten zu füllen gilt.
Nach heidnischem Glauben ist der Jahreskreis mit dem Sonnenlauf verbunden, wobei für manche Heiden die Sonne den gehörnten Gott (männlich) und die Erde durch die Göttin (weiblich) repräsentiert wird. Im Wicca heißen der Gott Cerunnos und die Göttin Cerydwen, bei den Germanen sind es Balder oder Odin und Frigg. Diese Götter sind für die meisten aber eben nur Symbole, und für die atheistischen Heiden eben einfach Sonne und Erde.
Im Symbolismus des Jahresrades wird die Sonne zu Jul (Wintersonnenwende am 21. Dezember) in der dunkelsten Nacht des Jahres wiedergeboren. Ihre Kraft ist gering, und der Sonnengott noch ein Baby, das langsam heranwächst und von der Erde (der Göttin) mit der in ihr verbliebenen Sonnenkraft es alten Jahres genährt wird. Die Erde befindet sich als Göttin noch symbolisch in der sogenannten schwarzen Phase, wo sie als alte Frau dargestellt wird, die noch um die verstorbene Sonne trauert.
Zu Imbolc (um den 1. Februar) ist die Sonne merklich größer geworden, der Gott zum Knaben herangewachsen. Die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte weiße Phase ein, in der sie als junges Mädchen dargestellt wird.
Zu Ostara (Tagundnachtgleiche am 21. März) ist die Sonne schon genauso stark wie die Dunkelheit. Der Gott ist zum Krieger herangereift, bekommt seine Waffen, und sein Kampf gegen die Dunkelheit beginnt sich zu seinen Gunsten zu wenden, wie man am überall sprießenden Grün des beginnenden Frühlings sieht. Zum ersten Mal begegnen sich Gott und Göttin in einem harmlosen, scheuen Werben.
Zu Beltane (um den 30. April) ist die Sonne der Dunkelheit überlegen, und der Sonnengott zum Mann ausgewachsen. Auch die Erde tritt als Göttin symbolisch in die sogenannte rote Phase ein, in der sie in der Gestalt einer fruchtbaren Frau dargestellt wird. Beide heiraten zu Beltane, vereinigen sich und zeugen eine neue Sonne (der Sonnengott zeugt sich sozusagen selbst, bzw. seine nächste Inkarnation), die im Leib der Erde heranwächst.
Zu Litha (Sommersonnenwende am 21. Juni) ist die Sonne auf dem Höhepunkt ihrer Kraft und der Gott ausgewachsen. An diesem längsten Tag des Jahres triumphiert der Sonnengott über die Dunkelheit, aber er weiß, daß seine Tage gezählt sind, und indem er der Erde sein Kraft für die Ernte und das Kind gibt, wird sein Leben fortan langsam schwinden.
Zu Lughnasad (um den 31. Juli) beginnt die Erntezeit, und die Sonne brennt in dieser heißesten Zeit des Jahres für eine gute Ernte auf das Land. Der Sonnengott opfert seine Kraft und sich selbst der Erde und der Ernte und damit für die Menschen, damit diese mit der Sonnenkraft in der Erde, die in die Ernte übergeht, die dunkle Zeit des Winters überstehen können. Aber auch das im Leib der Göttin heranwachsende Sonnenkind erhält diese Kraft.
Zu Mabonad (Tagundnachtgleiche am 23. September) beginnt die Kraft der Sonne nachzulassen, und ab jetzt zeichnet sich der Sieg der Dunkelheit ab, denn die Nächte werden wieder länger als die Tage. Der Sonnengott opfert seine letzten Kräfte und sich selbst der Erde und der Ernte und bereitet sich langsam bis zum Spätherbst auf das Sterben vor. Derweil reift in der Erde (im Leib der Göttin) seine nächste Inkarnation heran und nährt sich ebenfalls von der nachlassenden Sonnenkraft.
Zu Samhain (um den 31. Oktober) stirbt die Sonne (der Sonnengott), und die dunkle Jahreshälfte beginnt. Die Erde tritt als Göttin in die sogenannte schwarze Phase ein und wird als alte Frau dargestellt, die um ihren verlorenen Sohn trauert. Damit hat sich der Jahreskreis geschlossen, und der Zyklus beginnt von Neuem, während die Sonne auf ihre Wiedergeburt zu Jul wartet.
Man kann sich darüber streiten, welches Fest das erste im Jahresrad sein soll. Allgemein geht die keltische Auffassung davon aus, daß zu Samhain das neue Jahr beginnt, daher ist es bei den Kelten auch das erste Fest. Bei den Germanen ist teilweise Jul der erste Festtag, da nun die Sonne wiedergeboren wird, teilweise aber auch erst Imbolc, da Jul noch zum alten Jahr gehört und das neue Jahr erst nach den Rauhnächten anfängt. Daß auf dieser Seite mit Samhain begonnen wird, ist nicht Ausdruck der Nähe zur keltischen Tradition, sondern liegt einfach daran, daß sich diese Zählweise einfach am häufigsten in Heidenkreisen wiederfindet. Das kann aber jeder so halten, wie er mag.
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