Alle Beiträge und Antworten
Gueggi - 22.04.2008, 20:03
Hallo zusammen
Hallo zusammen
Nach ein paar Irrwegen mit falschen und schädlichen Diagnosen hatte ich erst einmal die Schnauze voll von dem Psychokram. Ich ging dann noch einmal in eine Probesitzung, weil ich die damaligen Medikamente absetzte und mehr Probleme hatte, als ich offiziell zugeben könnte. Nach wenigen Sitzungen wurde mir klar, dass hier die Chemie stimmt und ich beschloss bei meiner Therapeutin zu bleiben.
Erst später erfuhr ich, dass Sie auch eine ausgezeichnete Traumaexpertin ist. Wir lernten uns also langsam kennen und ich sagte ihr klar und deutlich, dass ich keine Diagnose hören will.
Irgendwann fühlte ich mich dann stark und gefestigt genug und fragte danach. Sie nannte zwei, für mich unbekannte Begriffe, DESNOS und PTBS. Ich bin noch nicht sicher, ob ich das einfach so annehmen will. Die Erklärungen bezüglich Verdränung, Verharmlosung und strukureller Dissozation sind mir nur noch wage in Erinnerung.
Neben der Therapie bin ich ein fleissiger Arbeiter, mache eine Fortbildung und investiere viel Zeit darin. Freizeit muss ich füllen, anscheinend meine Art damit fertig zu werden.
Ich fühle mich nicht unglücklich, weis aber durchaus, dass mein Leben nicht so verläuft wie ichs gerne hätte. Eine Alternative zum derzeitigen Werdegang fällt mir nicht ein. Irgendwie fühle ich mich völlig verlohren in dieser Welt, kapiere zum Teil das Verhalten anderer Menschen nicht, fühle mich nirgends dazugehörend oder akzeptiert. Überall wo ich bin, bin ich am falschen Ort und dort wo ich hingehen will, komme ich nicht hin. Selbst die Therapie mit einer lieben Person geht kaum. Ich kann ihr nicht folgen, muss mühsam in mir nach Antworten graben. Am liebsten würde ich sagen:"Mir alles egal, Sie können mit mir machen was Sie wollen". Das ist die gefühlsmässige Einstellung und ich schleiffe mich nur hin, weil mein Kopf das so will.
Ich werde ausgenützt beim Arbeiten, weil ich mich kaum wehren kann. Und wenn ich es tun würde, könnte ich mich nicht mehr Blicken lassen. Für die Weiterbildung investiere ich viel Zeit, bewusst uneffektive genutzte Zeit, es könnte ja mal keine Arbeit mehr da sein. Arbeit und Schule ist weniger Belastung als Freizeit. Klar wünsche ich mir Ferien und eine Auszeit, aber das würde voll in die Hose gehen. Ohne Arbeit wäre ich verlohren, denn ich kann kaum ausserhalb der Arbeitszeit essen und so bin ich auch körperlich Unterernährt. Ich weis um dessen Umstand und kann ihn nicht ändern. Der Wille ist stark, aber die Aufgabe zu schwer.
Ich habe Krämpfe und es schaudert mich bei Blicken von anderen. Eigentlich hätte ich Kopfweh und schmerzhaften Augendruck aber ich fühle es nicht mehr. Ich schlafe aber erhole mich nicht. Auf gut Deutsch: Es geht mir Scheisse und es ist mir egal.
Viel Hilfe kann ich nicht erwarten. Die meisten Hilfeorgane richten sich auf Frauen aus und ich als Mann werde häufig vor den Kopf gestossen. Geeignete Selbsthilfegruppen wollen mich nicht und bei meinen wenigen Freunden kann ich mich nicht outen. Vielleicht passt dieses "gefühle-zeigen" eher in ein Kaffekränzchen unter Frauen als in ein spielesüchtigen Kreis von Saufkumpels. Bin ja zum Teil auch selber Schuld daran.
Noch habe ich keinen Ausweg gefunden. Ich weis, es braucht Geduld. Ich weis, es geht vorbei. Gerne würde ich hier Möglichkeiten kennenlernen. Bin an jedem Austausch interessiert. Ihr könnt ruhig kritisch sein, bin immun dagegen.
Ich weis, es ist blöde auf einen Text ohne Fragen zu antworten. Deshalb will ich gerne ein paar Fragen in den Raum stellen, die mich gerade beschäftigen.
Ich habe hier im Forum ein bisschen rumgelesen. Erstaunlicherweise finde ich viele Texte über Parallelen von Borderline und PTBS. Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich irgendwie ambivalent bin oder grosse Gefühlsschwankungen hätte (natürlich sehr vereinfacht dargestellt). Kann natürlich sein, dass ich so wirke aber es nicht bemerke. Mir wurde auch schon Borderline nachgesagt, aber der Therapeut wurde nicht mehr besucht seither. Kann eine komplexe PTBS auch ganz anders auftreten?
Viele Gedanken blocke ich ab, ja verbiete sie geradezu. Ich weis nicht, weshalb das so kommt oder was es beschützen soll (ich nehme an, dass es eine Schutzfunktion ist). Kennt ihr vergleichbares?
Alles liebe
Gueggi
sigria - 23.04.2008, 22:23
Versuch
Hallo Gueggi,
eir kennen uns ja schon von nebenan.
Das ist `ne Menge Holz was Du geschrieben hast und ich kann nur mal versuchen in Etwa das wiederzugeben, was ich so mit zu kriegen meine. Wenn ich Falsch liege, sag`s mir bitte.
Therapie und Diagnosen: also, och denke, man sollte eigenltich nicht hingehen, weil man meint, vom Kopf her wäre es richtig. Diagnosen sind hilfreich, vorausgesetzt man findet sich wieder, fühlt sich nicht in eine Schublade gesteckt und wehrt sich dagegen. Dann sind sie natürlich hinderlich. Bei Dir klingt es ein bisschen so, als fühltest Du Dich eher kritisiert durch sie.
Überhaupt habe ich so ein bisschen den Eindruck, als wäre "etwas leisten", "funktionieren", "stark sein" für Dich sehr elementar. Eine "Diagnose" mildert dies scheinbar ab.
Ich würde denken, es sind zwei ganz extrem weit auseinander liegende Pole die sich in Dir bekriegen. Und da liegt es nahe, zu versuchen, sie zu verbinden. Die Diagnosen sagen nichts über Deinen Wert als Person aus. Sogar im Gegenteil. Obwohl Du besondere Belastungen hast, schaffst Du es trotzdem "Deinen Mann" zu stehen. Auch Deine Unterscheidung zwischen "Kaffeeklatsch" und "Saufkumpane" lässt darauf schließen, dass Du weich sein und hart sein grundsätzlich als unvereinbar betrachtest. Es gibt auch ein Dazwischen meine ich.
Soweit erst einmal. Ich hoffe, es kommt für Dich rüber, dass ich denke, der allererste Schritt, so war es auch für mich liegt darin, hundert prozentig zu akzeptieren, dass da etwas passiert ist mit Dir, was Dich so empfinden lässt wie Du es tust.
Ich hoffe, das ist nicht zu offen was ich Dir so schreibe.
Gruß
sigria
Gueggi - 23.04.2008, 23:50
Hallo Sigria
Nett dass du antwortest. Du hast mir einige gute Ansätze geliefert.
Ich denke, du siehst die Sache mit der Diagnose ganz richtig. Sie soll helfen. Ich sehe das ähnlich und habe mich auch deshalb dafür interessiert, weil ich denke, dass mir einiges klarer wird dadurch. Natürlich fühle ich mich ein bisschen kritisiert. Ich denke, dass ich im Vergleich und auch Generell einfach nichts haben darf. Bis vor der Diagnose konnte ich mich noch in ein "ich-bin-gesund" retten. Dennoch finde ich PTBS nicht als Schublade, weil ich mich darin wiederfinde. Es war auch ein Prüfstein von gegenüber meiner Therapeutin, denn hätte sie was nicht zutreffendes gesagt, wäre ich nie wieder erschienen.
Leistung ist wichtig. Obwohl wichtig das falsche Wort ist. Es ist einfach das einzige (so denke ich), worin ich auch stark bin. Ich bin mir selber schuldig, mir eine gute Zukunft zu sichern. Ich will in einigen Jahren nicht da stehen und sagen:"Das hättest du doch auch besser machen können". Eine Diagnose mildert das nicht sondern zeigt mir eben auch die andere Seite auf.
Mir kommt gerade in den Sinn, dass es mehrmals in meiner Jugend sowas wie eine Kehrtwende gegeben hat. Von zurückgezogen, scheu nach gesellig und gesprächig. Jedes dieser Enden habe ich für schlecht empfunden und das dazwischen ist nur eine halbe Sache. Ich weis, dass ich sau hart sein kann. Ich weis aber auch, dass mich praktisch alles was so geschieht mir Nahe geht. Und ich kenne auch noch andere Ausprägungen von mir.
Es fällt mir schwer, den Link oder Übergang zwischen dem Geschehenen und meinem derzeitigen Zustand zu machen. Selbst meiner Therapeutin kann ich nicht folgen, wenn sie den Zusammenhang aufzeigt. Ist fast so, als ob da ein Band gerissen ist, welches das zusammenhielt.
Mach dir über "zu offen" keine Sorgen. Ich werde es schon ausblenden, wenn mir was zu offen ist.
Bis bald
Gueggi
sigria - 24.04.2008, 17:58
Leistung
Hallo Gueggi,
ich finde Leistung persönlich auch sehr wichtig und auch als einen Gegenpol.
Da ist nur die Sache mit der Selbstüberforderung. Das ist dann halt gefährlich, denn man hat nun einmal auch eine schwache und bedürftige Seite, die, wenn sie auf Dauer ausgeblendet wird immer heftigere Symptome zeigt.
Was ist es denn genau, was Dich an PTBS stört und, provokante Frage: was wäre Dir denn lieber (alles außer völlige Gesundheit; die es ja so auch gar nicht gibt)?
Mir geht die Diagnose eigentlich nur dann gegen den Strich, wenn sie so in aller Munde geführt wird.....alle haben ja neuerdings ein Trauma und die Sache mit den "Teilen" sehe ich auch kritisch. Allerdings habe ich gerade gestern "Luise Reddemann" gegoogelt und dort eine pdf-Datei zu ihrem therapeutischen Konzept gefunden. Mich hat es von anfang an sehr gestützt mich mit meinen Teilen auseinander zu setzen. Das Innere Kind anzuhören, zu trösten und für es zu sorgen, usw.. Reddemann erklärt dazu, dass es um Regressionswünsche geht und die sollen von außen weg auf die "innere Bühne" geleitet werden. Also alles in Allem ist es eher auch eine technische Angelegenheit und das macht es mir sympatischer. Das Problem sehe ich darin, abhängig bleiben zu wollen. Diesen Eindruck machen einige Menschen mit PTBS, Dissodiagnosen und Borderline. Mir geht es darum, für mich persönlich größte Unabhängigkeit zu erlangen und das geht eben oft nur durch die Hilfe einer guten Therapie. Man sollte klare Ziele haben, wenn man von einer Therapie wirklich profitieren will. Jedenfalls in fortgeschrittenem Stadium, wenn man schon weiß, was es ist und man eine möglichst gute Ist - Analyse in sich vorgenommen hat.
So weit, so gut.
Gruß
sigria
Gueggi - 24.04.2008, 21:12
Hoi Sigria
Du stellst knifflige Fragen. Ich kann jetzt keinen Punkt finden der mich stört. Es ist eher die Diagnose ansich. Ich hätte lieber ein Leben, in welchem ich nicht in eine Therapie muss. Aber eine genau und gute Vorstellung von einem Leben oder der Zukunft habe ich nicht.
In der Therapie habe ich schon Ziele. Nur, ich denke, vielleicht sind sie zu hoch gesteckt. Ich werde meine Thera fragen, ob ich nicht besser Etappenziele machen kann. Denn Erfolge habe ich nicht oder erkenne sie nicht.
Kannst du das mit dem Regressionswunsch und Abhängigkeit nochmals beschreiben. Wenn ich also den Wunsch verspüre oder mich einfach kindlich benehme, sollte ich das mir eher innerlich geben als das wirklich nach aussen aus zu drücken? Mich befremdet auch dar Ausdruck "innere Kind trösten". Mir gehen da so wie Protokolle oder Skripte los, die sagen, alles Humbug, Scharlatan, etc. Dabei bin ich eigentlich aufgeschlossen gegenüber "alternativen" Behandlungen.
So ich mach Schluss für heute.
Gruss Gueggi
sigria - 24.04.2008, 21:43
Alternativ???
Hallo Gueggi,
ja, für knifflige Fragen hab`ich so ein Händchen :-)
Reddemann und PITT (ihr Therapiekonzept) ist nicht alternativ sondern Standard in der Traumatherapie. Hast Du denn noch gar keine Stabilisierungsübungen gemacht in Deiner Therapie? Also "Sicherer Ort" "Tresorübung" und sonstige?
Das alles sind klassische Imaginationsübungen ohne die es nicht sinnvoll ist an einem Trauma zu arbeiten. Das Konzept "Inneres Kind" gehört ebenfalls zu PITT. Regressionswünsche könnte man alles an "Krisen" nennen, die ganz klassische aber individuell verschieden Symptome auslösen.........vor allem aber auch selbstverletzendes Verhalten, was bei PTBS`lern ja auch häufig mitschwingen kann. Oder das Wandern von Therapeut zu Therapeut, von Arzt zu Arzt; das geschieht natürlich ganz klar aus empfundener Not und Hilflosigkeit. Wenn man lernt, überflutende Gefühle selbst zu managen, steigert dies das Gefühl selbst die Situation steuern zu können. Sehr hilfreich dabei ist es, Kontakt zu dem Inneren Kind zu bekommen, es liebevoll anzunehmen und für es zu sorgen. Das, ich garantiere es, hat eine Sofortwirkung und langfristig stabilisiert es die ganze Lage zunehmend.
Darf ich Dich fragen, welche Symptome bei Dir zu der Diagnose PTBS geführt haben?
Gruß
sigria
Gueggi - 25.04.2008, 13:41
Hoi Sigria
So hab ich das ja nicht gemeint mit alternativ. Mag sein, dass ich nicht wirklich vertrauen in diesen Methoden habe. Mir wurde nahegelegt, eine Körpertherapie zu machen. Noch streubt ich mich dagegen. Ist doch mein Körper und der geht niemand etwas an. So in etwa.
Ich bin noch am Anfang der Therapie. Dadurch, dass wir uns sehr selten sehen, staut sich hald allerhand auf in dieser Zeit und ich plaudere das in Therapie raus. Das verzögert natürlich den Fahrplan ein bisschen. Ich glaube, ich befinde mich gerade in der Übergangsphase zwischen Kennenlernen und Stabilisieren. Ich soll auf meine Strategien achten und diese dann mitteilen. Habe da auch schon vieles entdeckt. Ich denke, wenn dann die Zeit gekommen ist, werde ich schon andere Techniken kennelernen.
Sicherer Ort für die inneren Kinder hat mir die Thera mal so beiläufig erklärt und ich habe das innerhalb von ein paar Minuten installiert. Es ist bis heute existent und beweist sich als gut.
Kriesen gibts immer wieder und laufen nach einem Schema ab. Traurigkeit, Entzetzen, Aggression, Wut, Hass und dann kommt die Sinnkriese, wo ich alles und jedes in Frage stelle. Schlussendlich gipfelt es in Suizidgedanken und da ist dann wie ein Schalter der sich umlegt und sagt:"Nix da". Dann fühle ich mich so dumpf wie immer nur noch der Körper ist am Beben. Selbstverletzen im Sinne von sich schneiden oder so habe ich nie gemacht. Lebe halt sonst sehr asketisch, was eigentlich schädlich ist.
Auszug aus einem E-Mail:
Bez. Diagnose sind es frühe Missbräuche und damit eine posttraumatische Belastungstörung. Vom Verhalten her denke ich, dass Sie Rückzug und Vermeidung zeigen und Erinnerungslücken haben, wie sie typisch sind für Traumatisierungen, differentialdiagnostisch gibt es Hinweise, dass sie zeitw. dissoziieren evt. in versch. Formen. Mehr dazu in der Stunde.
Symtome sind sehr umfangreich, jedoch liegt keine Somatisierung vor. Ist allenfalls ein Punkt, wo ich an der Diagnose zweifle. Bin aber durchaus froh darüber. Habe auch einige Screening-Fragebögen ausgefüllt. Für mich am entscheidensten ist das jahrelange Leben mit einer Lüge. Ich schütze mein ganzes Umfeld durch mein Schweigen und das geht nur, wenn ich die Tatsachen völlig verdrehe.
Du hast eine Therapie hinter dir. Was sind für dich die wichtigsten Punkte für ein erfolgreiche Therapie?
Lieber Gruss
Güggi
sigria - 25.04.2008, 21:01
Therapie und PTBS
Hallo Gueggi,
vielen Dank für Deine Offenheit.
Ich kann vieles von dem was Du schreibst auch von mir berichten. Dein Körper gehört Dir......das ist absolut richtig; aber ist es auch wahr? Ich habe extrem viele Traumaerinnerungen, die sich nur ausschließlich auf der körperlichen Seite zeigen und deshalb hatte ich und habe ich oft gar nicht das Gefühl, dass mein Körper mir gehört. Da hat Körpertherapie einen extrem hohen Stellenwert. Auch Grenzen spüren gehört darein und natürlich auch einen guten Bezug wieder herstellen zum eigenen Körper.
Aber Körpertherapie ist auch recht schwierig, weil es, jedenfalls bei mir stark triggern kann. Ich habe es in der Klinik kennengelernt und die haben das dort super vorsichtig gemacht, eben extra für Traumatisierte.
Dissoziation gehört ja zwangsläufig zur PTBS dazu; habe bei M. Huber gelesen, dass Menschen, die ein Trauma erleben und es nicht dissoziieren hinterher auch keine PTBS entwickeln. Macht auch Sinn.
Meine Thera fand in einer spezialisierten Klinik statt und das war wirklich sehr gut dort. EMDR habe ich allerdings amulant gemacht. Naja, trotzdem kann ich von "Heilung" nicht reden, leider. Alles super schwierig. Das was Du beschreibst kenne ich alles von mir auch. Täglicher Wahnsinn könnte man es schon nennen; ich weiß gar nicht wie es wäre, wenn man das alles nicht hätte. Ehrlich gesagt, kenne ich es gar nicht anders. Ich denke ich hatte als Kind das Trauma selbst und heute haben die Erinnerungen daran die Qualität des Traumas....also kein merklicher Unterschied. Leider muss man das so sagen; obwohl ich dank der Therapie natürlich viel besser damit umgehen gelernt habe. Das muss man auch dazu sagen. Ich weiß nicht wie es wäre, wenn ich das alles nicht könnte und wüsste. Wahrscheinlich käme dann irgendwann KLinik, ich weiß nicht.
Ein guter Austausch mit Dir; ich hoffe, ich mülle Dich nicht zu sehr zu?
Gruß
sigria
Gueggi - 28.04.2008, 20:21
Hallo sigria
Nein du müllst mich nicht zu. Ich finde es lohnenswert anderen zu zu hören, denn dadurch kann man auch viel über sich lernen.
Gerade in der letzten Sitzung hat meine Therapeutin sich meine Strategie nochmals ebstätigen lassen. Ich habe die nie erkannt. Sie hat das schon häufig beobachtet und wollte sicher gehen.
Ist für mich schwer zu erklären. Ich würde sagen, es ist ein herunterregeln. Also, wenn der Anflug von einem Gefühl, einer Emotion oder Bindung kommt, fange ich an, diese herunter zu drehen, bis sie nichtig ist. Das führt dazu, dass ich kaum Interesse und Freude an etwas haben kann. Ausserdem sind Freundschaften nur kurzlebig und nur gerade im dem Moment wichtig. Danach sind sie mir egal. Das führt auch dazu, dass mein Leben aus nichts besteht, was irgendeinen Wert besitzt. Ich habe zwar viele Ideen und Wünsche aber die sind nur von kurzer Dauer. So findet nichts statt, was ich will oder was gemacht werden muss. Dass ich mir damit viel Ärger und Mehrleistung mache, ist mir klar und gleichzeitig eben auch nicht wichtig.
Ich denke, und das habe ich glaube ich schon mal geschrieben, schützt diese Strategie etwas sehr wichtiges. Es ist so elementar für mich, dass das in jeder Situation greift. Da ich recht fix im Kopf bin, oder die Strategie halt immer anwende, bin ich auch gut darin, sie zu verstecken. Ziel der nächsten Sitzung ist es den Grund dafür zu finden. Mir selbst ist wie eine Schranke innerlich gegeben und ich finde nicht heraus, was es sein kann. Leider explodieren manchmal die Gefühle, die Emotionen und Beziehungen.
Sie hat mich im zweiten Teil der Sitzung darauf angesprochen, ob ich bereit wäre für EMDR. Ich habe viele bedenken und Ängste desewegen. Was passiert da? Wie ändert sich mein Leben dadurch? Bin ich noch fähig danach mein Leben fort zu führen? Kann ich Flashbacks und dissoziative Zustände immer noch selber aushalten (die Strategie kann ich selbst dann anwenden)? Sie hat mir viel von meiner Angst genommen, aber so richtig weg sind sie nicht. Trotzdem finde ich es wichtig, das jetzt durch zu ziehen.
Ich habe mir vorgestellt, was sein würde, wäre dieses Herunterregeln nicht. Ich würde wieder mehr als 60kg wiegen, mehr Sport machen, Freude und Trauer zeigen, meine Interessen verfolgen, etc. Insgesamt also das was ich eingentlich sein will. Ich fühle mich derzeit unter meinem Potenzial und das wird sich ändern. Ich werde aber auch Sachen verlieren. Ich werde nicht mehr so tollerant sein, werde meine Familie in einem schlechteren Licht sehen (glaube ich zumindest), werde nicht so ausgeglichen sein gegenüber anderen, etc.
Ich wünschte mir, ich könnte voraussehen, was passieren wird. Ich hoffe, es ist der Punkt in meinem Leben, in dem es wieder vorwärts geht. Ich hoffe, ich kann danach mein ganzes Potenzial ausleben und finde meine "Bestimmung". Ich weis, dass ich das jetzt sehr hochstilisiere. Meine Erwartungen sind hoch. Aber sind sie zu hoch? Mir ist bewusst, dass es nicht von heute auf morgen geht. Aber nur ein Zeichen von Fortschritt würde Kraft freisetzen um weiter zu gehen. Mag sein, dass auch nichts dergleichen passiert und ich dann fürchterlich enttäuscht bin. Und mich dann nochmals hochrappeln und weitere Termine zu machen.... ich weis es nicht.
Vielleicht kannst du mir eine bisschen objektivere Sicht aus deinen EMDR-Sitzungen zeigen.
Alles liebe
Gueggi
sigria - 29.04.2008, 20:38
EMDR
Hallo Gueggi,
oh mann, das alles könnte auch ganz locker aus meiner Feder stammen so ähnlich klingst Du. Ja, ich will gerne zu EMDR etwas sagen und ich habe aber Bedenken, dass Dich das von Deinen Plänen abbringen könnte und ich möchte Deiner Therapeutin auch nicht ins Handwerk pfuschen. Darum versuche ich mal so objektiv wie irgendmöglich von meinen mehr als 38 EMDR - Sitzungen zu berichten.
Also, extrem wichtig finde ich die Selbsstabilisierung; Du musst selbst unter sehr heftigen und belastenden Emotionen in der Lage sein Dich zu steuern. Ich dachte das von mir auch und kam trotzdem in "schweres Wetter". Punkt zwei ist deshalb für mich die Sache mit dem Kontakt zur Thera nach EMDR - Sitzungen. Ich sag`Dir sehr offen, dass ich es an Deiner Stelle ambulant nur dann machen würde, wenn Dir die Thera Möglichkeiten einräumen kann, sie im Notfall zu kontaktieren. Das war bei mir nicht so und es war zeitweise gefährlich. Du solltest nach einer EMDR-Sitzung möglichst nicht selber Auto fahren. Solltest Dich daraf einstellen, dass Du eine Wirkung erst mit zeitlicher Verzögerung erwarten musst und dass diese sehr unerwartet und heftig kommen kann und Du zeitweise eventuell Arbeitsunfähig sein wirst. Falls Du alleine lebst halte ich es persönlich für sehr gewagt ambulant EMDR zu machen. Die Dissos, Flashs, Impulse gleich welcher Art kommen unvermutet und in eventuell nie gekannter Heftigkeit auf Dich zu. Es können neue Sachen kommen, mit denen erst einmal auch umgegangen werden will.
Falls Du im Moment gerade stark irgendwo eingebunden bist, schaffe Dir erst einen besseren Rahmen. Hast Du Möglichkeiten nonverbal etwas von Dir Innen zum Ausdruck zu bringen? Musik machen, zeichnen, schreiben, malen, trommeln, etc.? Das soltest Du, denn für Vieles wirst Du eventuell keine Worte finden.
Wenn immer möglich: ich würde es nie wieder ambulant machen. Ich bin häufig an meine Grenzen gekommen.
L. Reddemann findet eine Aufdeckung nicht unter allen Umständen relevant zur Bearbeitung von Traumafolgen. Ich bin mir heute auch nicht mehr so sicher.
EMDR hat aber auch ganz viele super gute Seiten und im Nachhinein bin ich sehr froh es gemacht zu haben. Es macht Dich danach stark und ich habe heute sehr sehr selten Flashbacks, kann die Augen schließen beim duschen, habe kein Messer mehr unter dem Kopfkissen, muss nicht mehr mit Licht schlafen, traue meiner Wahrnehmung und ich kann viel schneller heute registrieren was ist und wie damit umgehen. Ich kann Dir 100 Prozent dazu raten unter den für Dich richtigen Rahmenbedingungen. Hast Du denn schon mal was darüber gelesen? Dich informiert?
Kannst Du Dich stabilisieren? Sicherer Ort? Tresorübung? Innerer Beobachter? Und allerwichtigst: hat Deine Thera. EMDR - Ausbildung und Erfahrung? Ist sie Traumatherapeutin?
Liebe Grüße
sigria
Gueggi - 29.04.2008, 21:11
Danke für deine offenen Worte.
Du hast da angesprochen, was ich eigentlich kaum in Betracht gezogen habe. Jedenfalls nicht in konsequenter Weise.
Wie gehe ich denn damit um, wenn ich schief laufe? Ich habe von meiner Therapeutin Zeit danach bekommen. Ich kann mich in ein Zimmer verkriechen und mit ihren Hunden spielen. Meine Therapeutin ist auch immer erreichbar, aber ich würde sie nicht anrufen. Sie hat über 20 Jahre Erfahrung, wieviel davon als EMDR-Spezialistin kann ich nicht sagen. Sie hat auch gemeint, falls es für mich nicht passt, kennt sie auch andere Methoden. Falls ich wirklich Hilfe brauche, wende ich mich an das Kriseninventionszentrum ganz in der Nähe. Dort könnte ich bis zu sieben Tage bleiben.
Ich lebe alleine und hätte niemanden, den ich anrufen könnte/wollte. Ich bin aber auch nicht Selbstmordgefärdet oder Selbstverletzend. War ich auch noch nie (ok, unter Drogen schon ab und zu mal). Ich weis nicht, wie ich die allenfalls heftigen Reaktionen bewältigen werde, jedenfalls ist sicher, dass ichs überleben werde. Ich glaube meine Therapeutin hat ein gutes Gespühr für den richtigen Zeitpunkt. Vor etwa einem halben Jahr war schon mal die Rede von EMDR und ich habe sie sehr schroff abgewiesen.
Ich schreibe gerne und viel. Kann fast so schnell schreiben, wie ich denke. Ansonsten höre ich gerne Musik und da kann ich dann auch aufgehen, also meinen Gefühlen lauf lassen. Irgend einen Teil von mir hofft sogar, dass es heftig kommt. Klingt blöd ich weis. Aber wenn man nur so taub ist, ist jegliches Gefühl erwünscht.
Ich finde es toll, welche Fortschritte du gemacht hast. All die Erleichterung die du damit geschaft hast, geben neuen Platz für mehr Erleichterung. Hut ab!
Was die Stabilisierungen angeht, kenne ich sie nicht. Jedoch habe ich so einiges selbst gefunden und meine Therapeutin meint, dass das sehr wohl anwendbar ist. Z.B. baue ich mir eine Burg aus Decken/Stühlen etc. und fühle mich sehr sicher darin. Das ist dann nicht nur ein gedachter sicherer Ort. Tresorübung kenne ich, habe ich aber nie geübt. Innerer Beobachter bin ich sowieso, denn heftige bzw. langandauernde Flashbacks erlebe ich immer als Aussenstehender und nicht mittendrin. Kann sogar kommentieren oder aufschreiben.
Keine Angst, von meinen Vorhaben kanst du mich eh nicht abbringen. Das kann niemand. Über mich besitzt niemand mehr eine Macht, die sowas bewerkstelligen könnte. Ich habe die Befürchtung, dass wenn ich mich einlese, mir dann selbst was vormache. Sobald ich die Technik verstanden habe, heble ich sie aus, damit sie keine Wirkung mehr hat. Das ist dann eben auch Humbug, Scharlatanerie. Und da hilft dann auch kein "das ist doch gut für dich".
Soweit dazu. Ich habe noch in anderen Threads hier gepostet,falls du sie übersehen hast. Auch im Chat bin ich häufig anzutreffen und würde mich freuen, dich dort mal zu sehen.
Alles liebe
Gueggi
sigria - 02.05.2008, 19:56
EMDR
Hallo Gueggi,
Wie gehe ich denn damit um, wenn ich schief laufe?
Es läuft nix schief :-) DAvon gehen wir erst einmal aus.
Und das was Du beschreibst ist doch schon ein Netz. Was man nie vergessen darf: wir haben das Schlimmste schon überlebt.....So denke ich immer.[/b]
Vor etwa einem halben Jahr war schon mal die Rede von EMDR und ich habe sie sehr schroff abgewiesen.
Wichtig; wissen, das man es will und das Ziel nie aus den Augen verlieren, dran glauben und zulassen was kommt. Das hat mein Thera. immer gepredigt...hat gut geholfen.
Irgend einen Teil von mir hofft sogar, dass es heftig kommt. Klingt blöd ich weis. Aber wenn man nur so taub ist, ist jegliches Gefühl erwünscht.
Ja, so blöd ist das gar nicht. Dann ist die Zeit gekommen. Die verletzten Anteile sehen eine Chance endlich "rauskommen" zu dürfen und anzuklagen. Wichtig auch.
Ich finde es toll, welche Fortschritte du gemacht hast. All die Erleichterung die du damit geschaft hast, geben neuen Platz für mehr Erleichterung. Hut ab!
Das stimmt. Und nachhaltig auch, was ich jetzt gerade wieder merke. Die "Wellen" kommen, aber ich habe "surfen" gelernt.
baue ich mir eine Burg aus Decken/Stühlen etc.
Super gut; das ist genau das Richtige und wenn man es zulassen kann, sich nicht dafür verurteilt ist es perfekt. Hast Du das Buch "Trotz Allem"?
Ich habe die Befürchtung, dass wenn ich mich einlese, mir dann selbst was vormache. Sobald ich die Technik verstanden habe, heble ich sie aus, damit sie keine Wirkung mehr hat. Das ist dann eben auch Humbug, Scharlatanerie. Und da hilft dann auch kein "das ist doch gut für dich".
Ja, kenn`ich.....Und dann die hoffenden Teile; traurig, eingeschüchtert und wieder ganz am Boden. Und bis man das alles immer blickt, haben die Zensoren, Kritiker und Miesmacher schon wieder ganze Arbeit geleistet. Schade. Aber vielleicht kannst Du mit den Kritikern etc. vereibaren, dass sie sich was dieses Thema angeht in Zukunft zurückhalten sollen. Bei mir klappt das manchmal. Ich danke ihnen für die "Vorsichtsmaßnahmen" und wertschätze ihre Kontrollarbeit, bitte sie aber im Namen aller diplomatischer und zurückhaltender zu sein und dem Unternehmen eine Chance zu geben. Einen Versuch wäre das wert, oder?
Soweit dazu. Ich habe noch in anderen Threads hier gepostet,falls du sie übersehen hast. Auch im Chat bin ich häufig anzutreffen und würde mich freuen, dich dort mal zu sehen.
Kann den Chat nicht finden??
Liebe Grüße
sigria
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken