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Yesod - 22.12.2004, 22:41
Die Sprache der Aramäer? Aramäisch!
Die aramäische Sprache gehört zur semitischen Sprachfamilie und ist eng mit der hebräischen und der arabischen Sprache verwandt. Sie wurde nach Sem, einem der drei Söhne Noahs, semitisch genannt. Die ältesten Zeugnisse der aramäischen Sprachen reichen 4500 Jahre v.Chr. zurück. Somit zählt Aramäisch zur drittältesten, nach Chinesisch und Griechisch, noch gesprochenen Sprache der Welt.

Aramäisch war in alttestamentlicher Zeit zugleich eine 'Lingua franca', d.h. allgemeine Verkehrs- und Diplomatensprache, des Orients. Sie verdrängte schnell die Sprachen des nahen Ostens und breitete sich gesamten Orient aus. Mit dem Beginn der Perserherrschaft ( 540 v. Chr.) wird das Hebräische als Umgangssprache im jüdischen Volk vom Aramäischen allmählich verdrängt. Zur Zeit Jesu sprach das Volk in Palästina aramaäisch. Auch revolutionierte die aramäische Sprache die Schriften. Große Teile des Alten sowie des Neuen Testaments werden in Aramäisch verfasst. So wurden Teile des Daniels- und Esrabuches nicht in hebräisch, sondern in aramäischer Sprache geschrieben. Aramäisch ist somit die "zweite Sprache des Alten Testaments". Im aramäischem Urtext sind folgende Teile des Alten Testaments abgefaßt: Jer 10, 11; Esra 4,8 - 6, 18; 7, 12-26; Dan 2,4 - 7, 28

Ein Spezifikation des Aramäischen ist, dass es in zahlreichen Dialekte eingeteilt wird. Es wurden zunächst in Ost- und Westsemitisch unterteilt. Der älteste Dialekt ist der Proto-Aramäisch. Es wurde vor 1000 v. Chr. gesprochen.

Die westaramäischen Dialekte war zum einen jüdisch-palästinensisches Aramäisch. Es ist die eigentliche Sprache Jesu. Zum anderen christlich-palästinensisches Aramäisch und samaritanisches Aramäisch.

Die ostaramäischen Dialekte umfassten jüdisch-babylonisches Aramäisch, die Sprache der jüdisch-mesopotamischen Gemeinschaft und Mandäisch. Der altsyrische Dialekt, der sog. Peshitta ist der Dialekt mit der ältesten kompletten Bibelübersetzung. Der letzte Dialekte ist ein spätliterarischer Dialekt der heute auch als modernes Aramäisch bezeichnet wird; sog. Suroyo. Er entwickelte sich mit dem Aufstieg des Islam.
Yesod - 23.12.2004, 00:10

Das Aramaeische: Die in der Literatur uebliche Benennung „aramaeisch“ geht auf die Selbstbezeichnung der Aramaeer zurueck. Das Aramaeische ist eine nordwest-semitische Sprache, urspruenglich der semitische Dialekt der aramaeischen Staemme, die um 1200 v.Chr. in das syrisch-palaestinische Kulturland eindrangen und dort verschiedene Staaten gruendeten. Die drittaelteste noch gesprochene Sprache ist das Aramaeische. Die zur semitischen Sprachfamilie gehoerende aramaeische Sprache ist eng mit Hebraeisch und Arabisch verwandt. Die aeltesten Zeugnisse von ihr reichen bis ins zweite Jahrtausend v.Chr. Mit 3.000 Jahren ist Aramaeisch somit nach Chinesisch und Griechisch die aelteste noch gesprochene Sprache der Welt. Die Bedeutung der aramaeischen Sprache liegt weniger in der heutigen Zeit als im Altertum. Bereits am Anfang des ersten Jahrtausends verdraengte sie alle Sprache in Mesopotamien. Von den tuechtigen aramaeischen Kaufleuten ueber den gesamten Orient verbreitet, entwickelte sich diese Sprache innerhalb einiger Jahrhunderte zu wichtigsten Sprache des Nahen Ostens. Aramaeisch war im vorchristlichen Jahrtausend Weltsprache. Sie war Reichssprache in Aegypten, Persien und anderen maechtigen Imperien frueher Hochkulturen. Die aramaeische Sprache revolutionierte die Schriften. Grosse Teile des Alten sowie des Neuen Testaments sind in Aramaeisch geschrieben worden.

Das Aramaeische ist zunaechst in Syrien nachweisbar, breitete es sich nach und nach ueber den ganzen vorderen Orient und weiter nach Osten aus. Bereits in assyrischer Zeit war es eine internationale Sprache. Der Brauch der Assyrer, sich mittels des Aramaeischen mit anderssprachigen Untertanen zu verstaendigen, wurde von den Achaemiden aufgenommen und das Reichs-Aramaeische zur offiziellen Sprache der Kanzlei der Perserkoenige gemacht.Es stellt eine weiterentwickelte und verselbstaendigte Form des aeltesten Aramaeischen dar. Als Kanzleisprache hat es einen fossilen Rest in den Idiogrammen des Pehlewi hinterlassen. Die aramaeisch geschriebene Stuecke des AT bieten ebenfalls dieses Idiom. In seiner Art schliesst sich das sog. West-Aramaeische am naechsten an die Formen des Reichs-Aramaeischen an:

1- Das Nabataeisch-Aramaeische, die aramaeische Schriftsprache eines arabischen Staates, der mit dem Zentrum in Petra wirtschaftlich fuer den Weg nach Arabien wichtig und vom 4.Jh.v.Chr. bis ueber die Zeit seiner Eroberung durch die Roemer (106 n.Chr.) hinaus bedeutsam war.
2- Das Palmyrenisch-Aramaeische, das ebenfalls in einer Karawanenstadt geschrieben, wohl auch gesprochen wurde, die Petra den Rang ablief.
3- Das Juedisch-Palaestinensische Aramaeisch ist das Idiom, das das Hebraeische als gesprochene Sprache verdraengt hat. Es war die Sprache Jesu („galilaeisch-aramaeisch“; in sie uebersetzte man im Gottesdienst die hl.Schriften; in ihr ueber-lieferte man die aramaeischen Teile des jerusalemischen Talmuds.
4- Das Samaritanisch-Aramaeische: Die Absonderung Samarias in religioeser und politischer Hinsicht erklaert die Entstehung eines solchen gesonderten Idioms.
5- Das Christlich-Palaestinensische ist die Sprache der Melkiten in Palaestina; sie wurde ausser in Nordpalaestina auch in Teilen des Ostjordanlandes gebraucht.
6- Das Neuwest-Aramaeische: In einigen Doerfern des Antilibanon, in Malula, Bacha und Dschubb Adin hat sich das Aramaeische des westlichen Typus bis in die Gegenwart erhalten.

Das Aramaeische des Zweistromlandes wird unter der Bezeichnung Ost-Aramaeisch zusammengefasst. Es umfasst:

1-Das Aramaeische des babylonischen Talmuds
2-Das Mandaeische, die Sprache einer religioesen Sekte, die sich am Schatt Al Arab und in Chusestan bis heute erhalten hat.
3-Das Syrische (in Ost- und Westsyrisch), die Sprache des Staatskanzlei von Edessa, der Residenz der Koenige der Osrhoene.

Das Aramaeische wird im Anschluss an die griechische Benennung der Aramaeer „syrisch“ genannt. Mit dem Begriff „Syrer“ bezeichneten die Griechen, seitdem sie Asien naeher kennen lernten, die Nation, welche sich selbst „Aramaeer“ nannte. Das Syrische wird von den syrischen Kirchenvaetern und den Orientalisten die „Edessenische“ oder „die Mesopotamische“ Sprache genannt; sie wird auch als „aramaeisch“ bezeichnet, obwohl in christlicher Zeit der Name der Aramaeer lieber gemieden wird, da dieser oft so viel wie „Heiden“ bedeutete (Noeldeke, Th.). Das Syrische im engeren Sinne, der Dialekt von Edessa, scheint den aramaeischen Dialekten der Tigrislaender etwas naeher gestanden zu haben als denen des mittleren Syriens und Palaestina´s. In Edessa wurde dieser Dialekt sicher schon lange vor Einfuehrung des Christentums als Schriftsprache verwandt. Besondere Wichtigkeit erlangte er aber, seit die Bibel in ihn uebersetzt war (wahrscheinlich schon im 2.Jh.) und Edessa immer mehr die Hauptstadt der rein aramaeischen Christenheit wurde. Mit dem Christen-tum drang die Sprache von Edessa auch ins persische Reich. Schon im 4.Jh. dient sie, die nunmehr die „syrische“ schlechtweg, den christlichen Aramaeern am Tigris als Schriftsprache.

Die Bluetezeit des Syrischen reicht bis ins 7.Jh. Die Syrer gehoerten damals dem roemischen, teils dem persischen Reiche an. Dazu kamen die kirchlichen Spaltungen, namentlich durch die unseligen christologischen Auseinandersetzungen. Die persischen Syrer entschieden sich meistens fuer die nestorianische, die roemischen fuer die orthodoxe Lehre. Diese kirchliche Spaltung verhinderte die gleichmaessige Ausbildung der syrischen Schriftsprache, die in zwei Dialekten, dem oestlichen und westlichen, vorliegt. Die Eroberung der aramaeischen Laender durch die Araber bracht eder herrschenden Stellung des Syrischen ein jaehes Ende. Zwar blieb es in Edessa noch einige Zeit lebendig, und in abgelegenen Gegenden erhielten sich aramaeische Dialekte lange, teilweise sogar bis auf den heutigen Tag, aber das Syrische verlor rasch seine Stellung als Umgangssprache der Gebildeten in weiten Laendern.
Die aelsteste syrische Schrift ist Estrangelâ, aus der sich die der oestlichen Syrer (Nestorianer, Chaldaeer) und die der westlichen Syrer (Orthodoxe, Maroniten und Katholiken), deren eigentlicher Name Sertô ist.
Umay Hatun - 23.12.2004, 14:07

Masallah :herz: .....das ist ja echt ein wunderschöner Beitrag!

Danke dir :busi:

Ich hatte mal einen interssanten Austausch mit Gabriel Rabo (welchen ich dir/ euch nicht vorenthalten möchte):

1) Inwieweit ist das heutige aramäisch von dem alt- aramäisch verschieden?

Das Aramäische unterscheidet sich in verschiedenen Lokaldialekte. Ein Kenner der verschiedenen aramäischen Dialekte würde sagen, dass es kaum Unterscheid zwischen dem heutigen und dem sog. Alt-Aramäischen gibt. Die Aussprache ist jedoch unterschiedlich: man hört den Unterscheid hauptsächlich zwischen A und O. Während im Ost-Aramäischen (auch Syrisch genannt) ein Wort z.B. "Kthobo" (türk. oder arab. kitab) ausgesprochen wird, heißt es im West-Aramäisch „kthaba“. Außerdem haben die Substantive im dem letzteren nicht immer die A-Suffixe, also die mit A endenden Buchstaben. (Damals schrieb man H als Endung eines Wortes, Beispiel SaraH, heute Sara oder Saro). Der Wortschatz kann geringfügig anders sein. Das ist auch selbstverständlich. Damals, also vor drei- oder zweitausend Jahren gab es keine Raketen, Fugzeuge, Zug, Computer Internet. Im heutigen Aramäisch versucht man, Begriffe für Neuerfindungen zu finden. Damals gab es Werkzeuge, die man heute nicht mehr benutzt oder ganz vergessen. Leider werden solche "alte" Wörter im 21. Jh. langsam verschwinden. Die Tur Abdin haben im Tur Abdin ein Erbe der Menschheit bislang aufbewahrt. Es werden immer noch Begriffe verwendet, wie vor 3000 Jahren: z.B.: das Wort TARSCH = im „neu“ Turabdinisch heißt „KANYONE“, d.h. das Vieh-Gut. Man findet das Wort „Tarsch“ im Biblischaramäisch.

Kürzer Überblick: West-Aramäisch: Dialekte von Alt-Palästina oder Galiläa (was Jesus gesprochen hat und, einige Schriften des Alten Testaments oder jüdische Texte geschrieben wurden). Der Dialekt von den drei Dörfer (Ma'lula, Bak’a und Cub'addin) in der Nähe von Damaskus gehören auch zu diesem Zweig. Die Bewohner dieser Dörfer sowohl die Christen als die Moslems sprechen immer noch diesen Dialekt).

Ost-Aramäisch wird auch Syrisch genannt: Der Dialekt von Urhoy heute Urfa (Griechisch: Edessa), vom Tur Abdin und Hakkari. Man unterscheidet nun wiederum zwischen West-Syrisch und Ost-Syrisch. Dazu gehört der Dialekt von Hakkari, gemeint der heute in Persien und im Irak gesprochen wird.

2) Warum wird das alt- aramäisch nicht mehr gesprochen (Umgangssprache)?

Das Alt-Aramäisch wird eigentlich noch weiter gesprochen. Die noch heute gesprochene Dialekte vom Urhoy, Tur Abdin oder Hakkari sind genauso alt wir Biblisch-Aramäisch.

Die Europäer haben beim Aramäischlernen Biblisch/Jüdisch-Aramäisch als Alt-Aramäisch und die heute gesprochene Dialekte als Neu-Aramäisch bezeichnet. im Grunde genommen gibt es keinen Unterscheid zwischen Alt- und Neu-Aramäisch, Außer neues Vokabular. In den europäischen Sprachen gibt es jedoch einen sehr großen Unterscheid. Vielleicht deshalb haben sie die Bezeichnung NEU und ALT für die aramäische Sprache verwendet, also von ihren Sprachen kopiert.

Wir Aramäer kennen eigentlich die Begriffe ALT und NEU nicht.

Es gibt heute noch orientalische Juden, die sog. Alt-Aramäisch sprechen.


3) Welche Ähnlichkeiten bestehen zwischen dem aramäischen und dem hebräischen?

Eine Hälfte des Hebräischen ist Aramäisch und die andere Hälfte ist Kananäisch. Als die Nachkommen der Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob aus dem Ur in Chaldäa (heute im Irak) nach Kananäa über Harran auswanderten, vermischten ihre aramäische Sprache mit dem Kannäischen. Daraus bildete sich seitdem das „Hebräische“. Moderner Beispiel: Jiddisch aus Hebräisch und Deutsch. Und die sog. hebräische Schrift ist eigentlich Aramäisch. Die Hebräer oder Juden hatten keine eigene Schrift.

Seit der Christianisierung der Aramäer vor 2000 Jahren haben sie Aramäer (deswegen auch Syrer/Süryani genannt) eine eigene neue Schriftart entwickelt, die viel Ähnlichkeit mit den alten aramäischen Zeichen haben. Man nennt die neue Schriftart Estrangelo. Im Laufe der Zeit bildeten sich wiederum zwei neue Typen, nämlich "Serto", was wir Tur Abdiner oder Urhoye (Westsyrer) verwenden, und "Ostsyrisch" von den Ostsyrern (Nestorianern).


Mir wurde gesagt, dass das alt- hebräisch, das alt-aramäisch sei?

So ist es.


PS:
Die rotgekennzeichneten Fragen kommen von mir, die Antworten von Gabriel Rabo ---> http://f16.parsimony.net/forum26093/messages/37202.htm

Bei weiterem Interesse, hier seine Homepage --->
http://wwwuser.gwdg.de/~grabo/hp/

Ganz liebe Grüsse
Minnat Allah :P
Yesod - 23.12.2004, 15:17

Liebste Schwester,

dein Beitrag ist aber auch sehr informativ und schön..

Gottes Segen dir...und ein Schönes Wochenende..

HaAch HaShalom.. :hallo:
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