Hallo,
kann jemand von euch Altfranzösisch? Ich habe zwar Französisch studiert und auch 2 Semester Altfranzösisch absolviert, aber bei so manchen Renaissancelied-Texten gerate ich doch ins Schwimmen.
Von dem folgenden Stück kann ich eigentlich nur ein Wort in der letzten Strophe nicht verstehen - leider ist das m.E. entscheidend, um den ganzen Sinn zu entziffern.
Der Originaltext lautet (Autor und Komponist anonym):
Fortune, laisse moy la vye,
Puisque tu veulx avoir les biens.
Je te declaire qu'ilz sont tiens.
Metz doncques fin à ton envie.
Hélas, je croy tu a envie
sur m'amye et aussi sur moy;
Hélas, Cupido, prens esmoy
Et nous secours, las, je t'en prie.
Ung jour en la chambre m'amye
Y fuz je pour m'y resjouir;
D'ung
viellart par ardent désir
Me fur donné mélancolie.
Meine (+/- wörtliche) Übersetzung:
Fortuna, lass mir das Leben,
denn du möchtest das Gute haben.
Ich erkläre dir, dass es dein ist.
Und nun beende deine Lust.
Ach, ich glaube, dass du Lust
auf meine Liebste hast und auch auf mich;
Ach, Cupido, errege dich
und komme uns zu Hilfe, ach, ich bitte dich darum.
Eines Tages im Zimmer meiner Liebsten
war ich, um mich zu erfreuen;
Von einem ??? durch heißes Verlangen
wurde mir Melancholie gegeben.
Meine Frage nun: war der Erzähler so "heiß", dass er melancholisch wurde? Was heißt aber dann "viellart"? Könnte es sich vielleicht um einen Nebenbuhler handeln (ein "Gemeiner" - müsste dann aber eigentlich vilain heißen, das es im Altfranzösischen in der BEdeutung von "Landmensch", vielleicht auch "Tölpel" gibt)? Ihr versteht sicher, warum ich dieses Wörtchen so wichtig finde - denn es ist ja etwas anderes, ob sich da ein Typ im Zimmer befindet, der dem anderen die Show stiehlt (=Zorn, Wut), oder ob er sich mit seiner Liebsten vergnügt und anschließend ganz melancholisch wird.
Ich hoffe, mir kann jemand weiterhelfen
Danke schon mal,
liebe Grüße,
Orphenica
(ich hätte da auch noch ein paar altspanische Texte...)