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kaeru - 19.08.2006, 14:52
Etrusker - mysteriöse Hohlwege - Archäologie
Quelle: Focus Online, Archäologie, 19. August, 2006

Forscher rätseln darüber, wozu die Hohlwege der Etrusker dienten, die heute noch das Hügelland in der toskanischen Maremma durchfurchen.


Über 20 Meter hoch ragen die Tuffstein-Wände fast senkrecht in die Höhe. Es riecht etwas modrig, die Luft steht still in der kühlen engen Straße, nicht einmal die Sonnenstrahlen schaffen es bis zum feuchten Boden. Die „Vie Cave“, die Hohlwege der Etrusker, sind bis heute eines der größten Geheimnisse in der an Mysterien nicht armen Kultur des antiken Volkes. „Solch ungewöhnliche Werke hat keine andere antike Kultur geschaffen“, schreibt Etrusker- Expertin Silvia Nanni in dem Buch „Le Vie Cave“.

Die wie tiefe Korridore angelegten Wege finden sich vor allem in der Maremma – dem südlichen Teil der Toskana – und durchfurchen kreuz und quer das Hügelland rund um die drei Städtchen Pitigliano, Sorano und Sovana. „Noch heute wandelt man hier in einem geradezu unberührten Ambiente, in dem der Mensch sich als Untertan der Natur fühlt“, heißt es auf der Webseite der „Cooperativa La Fortezza“, die sich seit 1985 um die Verwaltung der toskanischen Tuffstein-Attraktionen kümmert.


Schwerstarbeit mit Holzkeilen

Aber wozu dienten diese Wege überhaupt? Darüber sind sich Experten und Archäologen bis heute uneinig. Waren die „Vie Cave“ Kommunikationsstraßen zwischen den Siedlungen der Etrukser? Aber warum hätten die Menschen damals für einen solch banalen Zweck derart tief graben und derartige Strapazen auf sich nehmen sollen? Denn die Wege wurden per Hand mit Hacken geschlagen oder mit Holzkeilen aus dem Tuffstein gesprengt. Zudem sind einige wie ein Labyrinth angelegt, andere konzentrisch. „Alles ungewöhnliche Charakteristiken für Wege, die nur eine einfache Straßen-Funktion haben sollten“, meint Nanni.


Kanalisation für Regenwasser

Andere glauben, die „Vie Cave“ seien zur Kanalisation des Regenwassers angelegt worden. Die faszinierendste Hypothese geht hingegen davon aus, dass es sich um heilige Kultstätten handelte. Die Etrusker liebten Magie und Astrologie und könnten die Wege für ihre heidnischen Riten benutzt haben. Antike Kulturen haben oft die Idee des Labyrinths mit der des Jenseits assoziiert. Den Ausgang aus dem dunklen, engen Wegesystem zu finden, war ein Symbol für die Reise, die die Seele auf dem Weg zur Unsterblichkeit durchwandern muss. Viele Kenner etruskischer Kultur sind sich sicher: „Wir werden wohl nie wissen, ob diese in den Tuff gehauenen Wege in ihrer 1000- jährigen Geschichte all dem gedient haben, was die Wissenschaftler heute annehmen.“


Ein Paradies für Botaniker

„Cavone“, „Via Cava dell´Annunziata“, „San Giuseppe“ oder „San Rocco“, so lauten die Namen der Wege. Auf Grund ihrer „Architektur“, die kaum Sonnenlicht hereinlässt, findet sich hier ein ideales Mikroklima für Moschus, Flechten, Anemonen und Farn. Unwegsam ist es teilweise auch: Oft findet sich in der Mitte eine enge Ausbuchtung, während die Seiten höher angelegt sind. Ist dies etwa ein Zeichen dafür, dass Eselskarren durch die „Vie Cave“ fuhren?

Zwischen 800 und 100 v. Chr. lebten die Etrusker im Gebiet der Regionen Toskana, Umbrien und Latium. Woher sie kamen und wohin sie gingen – auch das ist bis heute ein Rätsel. Immerhin haben Experten kürzlich per DNA-Analyse herausgefunden, dass das antike Volk kaum Gemeinsamkeiten mit den heutigen Bewohnern der Region Toskana aufweist und die Toskaner also nicht die direkten Nachfahren der „Rasenna“ – wie Etrusker sich selbst nannten – waren. Ob ein ähnlicher Beweis eines Tages auch für die wahre Funktion der „Vie Cave“ gelingt, gilt allerdings als fraglich.
Izitso - 22.01.2007, 14:43

Und von Däneken hat noch keine Erklärung??? ;)

Solche Dinge sind immer sehr interessant und deshalb habe ich seit Jugendtagen Bücher über solche Bauten gelesen. Aber heute denke ich, dass vieles davon viel leichter zu erklären ist, als man (als moderner Mensch) das vielleicht möchte.

Auch wenn das nun vielleicht etwas off-topic zu den beschriebenen Bauten ist: Wenn man in 3.000 Jahren unsere PCs findet (gut, alles ist ja heute digitalisiert und man wird über uns nur wenige Rätsel haben!) was würde man denken?
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