Alle Beiträge und Antworten zu "Nach dem Ruhm"
Re: Nach dem Ruhm
Lenny - 10.07.2006, 20:42
Nach dem Ruhm
Heyho! Diesen One-Shot hab ich mal für ne FF-Challenge in nem anderen Forum geschrieben, die Einleitung war vorgegeben und dann sollte man dazu etwas schreiben. Hier mein Ergebnis:
Einleitung (nicht von mir^^):
~ Nach dem Ruhm ~
Für heute hatten sie sich verabredet. In dem kleinen Café, wo sie schon vor Jahren immer zusammen gesessen hatten. Alle wussten sie Bescheid, aber keiner wusste, ob die anderen kamen. Vielleicht würde er alleine da sein, er, der immer wieder versucht hatte die Band zusammen zu halten. Doch irgendwann ging es einfach nicht mehr. Der Druck war zu groß gewesen, der Zusammenhalt zu schwach. Sie waren an ihrem Ruhm zerbrochen, wie schon viele andere Bands zuvor. Dass, obwohl sie immer gedacht, gehofft hatten, es würde ihnen nicht passieren. Doch dann, war es zu spät.
Und jetzt das, was die kleine Lenny draus gemacht hat:
Ungeduldig trommle ich mit meinen Fingern auf der kleinen Mamor-Tischplatte herum. Immer wieder schaue ich auf meine Armbanduhr und frage mich, ob das alles hier eine Schnapsidee war, ob ich nicht einfach wieder gehen soll.
Ob sie mich vergessen haben? Oder vergessen wollen?
Mich, derjenige, der immer versucht hat, uns zu retten. Unsere Musik zu retten, die Freundschaft.
Derjenige, der bis zum Schluss daran geglaubt hat, dass alles gut werden würde, dass zumindest wir zusammenhalten würden, auch wenn sich sonst niemand mehr für uns interessierte.
Wahrscheinlich bin ich somit auch der Dümmste von uns gewesen.
Bin ich es vielleicht immer noch, wenn ich von ihnen verlange, nach all den Jahren meiner Einladung hierher zu folgen? Warum musste es so kommen, wie es schlussendlich gekommen ist? Je höher man fliegt, desto tiefer ist der Fall, das war mir immer klar, aber damals hatte ich mich in der wahnwitzigen Idee verrannt, dass uns irgendjemand auffangen würde.
Doch nur wir selbst und zwar alle zusammen hätten uns helfen können, aber diese Einsicht kam zu spät. Jetzt sind wir gelandet und zersplittert, haben uns seit dem großen Aus vor fünf Jahren nie wieder gesehen.
Kein Treffen, kein Anruf, nichts…
Ich habe daraufhin endlich mein Abitur gemacht und studiere jetzt Psychologie, doch wie sieht es mit meinen ehemaligen Bandkollegen aus?
Von Freunden und Verwandten habe ich nur ab und zu am Rande mitbekommen, was die anderen so treiben, was sie aus ihrem Leben gemacht haben, nachdem unser großer Traum durch unser eigenes Verschulden geplatzt ist, zerstört wurde.
Der gute Gustav hat natürlich einen handfesten Beruf erlang, ist Bankkaufmann geworden und lebt jetzt glücklich mit seiner Verlobten zusammen.
Wie ich gehört habe, ist sie in freudiger Erwartung und er, der zukünftige Vater, platzt fast vor Stolz. Bei diesem Gedanken muss ich lächeln.
Der kleine Juschtel gründet eine Familie…
Noch vor wenigen Jahren wäre das unvorstellbar für ihn gewesen. Aber die Zeiten ändern sich, damals dachten wir ja auch, dass wir zum heutigen Zeitpunkt immer noch in ausverkauften Hallen, vor einem ausgelassenen Publikum spielen würden.
Wie wäre unsere Reaktion gewesen, wenn wir damals schon gewusst hätten, dass das Ende immer näher rückte, von uns angetrieben, ohne dass wir es bemerkt haben?
Gustav scheint glücklich geworden zu sein, wenn auch anders, als er es sich einst vorgestellt hat.
Und die Zwillinge, ja…
Tom führt ein ziemlich ausgelassenes Partyleben, welches keinen Skandal und kein One-night-stand auslässt, ganz nach seinem Geschmack. Dass dabei immer wieder ein wenig zuviel Alkohol fließt und dass ebendieser langsam aber sicher alles um ihn herum vernebelt, scheint er nicht zu bemerken. Oder vielleicht tut er es, aber er besitzt nicht mehr die Kontrolle über sich selbst, die Kraft, mit dem Trinken aufzuhören, denn was einst nur zur harmlosen Erheiterung diente, ist mittlerweile zu einer gefährlichen Sucht geworden, welche ihn irgendwann umbringen wird, wenn niemand eingreift. Wie gerne würde ich ihm helfen, aber es geht nicht. Denn wie traurig es auch klingt, ich bin ein Fremder für ihn, genauso wie er für mich. Ob sich daran etwas ändern wird, wenn er heute kommt? Falls er heute kommt?
Ich glaube nicht daran, leider.
Als Letzter bleibt Bill, unser durchgeknalltes Energiebündel, welcher bis zum Schluss immer noch mit staunenden Kinderaugen die Welt betrachtet hat, völlig fasziniert von dem, was um ihn herum geschieht, ohne es wirklich zu realisieren. Für ihn war das alles ein Spiel, ein Spaß. Ja, in Interviews, da hat er immer so erwachsen und bodenständig gewirkt, aber das war er nicht und ist es bis heute nicht geworden. Er hat es einfach nur genossen, endlich einmal im Mittelpunkt zu stehen, nicht immer nur der seltsam beäugte Freak zu sein, sondern ein Star, der bei allen beliebt ist. Denn er hat wirklich einen wesentlichen Teil zu unserem damaligen Erfolg beigetragen, er war das Gesicht der Band.
Aber er hat nie verstanden, was der Ruhm wirklich bedeutet, was danach kommt, hat immer gedacht, dass es ewig so weitergehen wird. Und dann, als die Verkaufszahlen auf einmal gesunken sind und die Konzerthallen kleiner wurden, hat sein Ego den ersten Riss bekommen, welchem noch einige folgen sollten, die ihn schließlich vollends zerstört haben. Er hat es nie verkraftet, dass sich auf einmal kaum noch jemand für ihn interessiert hat, für ihn, den talentierten, beliebten Bill Kaulitz. Erst hatte man ihm soviel Aufmerksamkeit geschenkt und dann ließ man ihn plötzlich fallen, ignorierte und vergaß ihn. Es hatte lange gedauert, bis er begriffen hatte, dass es vorbei war und mit dieser Erkenntnis kam auch der vollkommene Absturz. Mehr als einmal hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen, welches ihm doch auf einmal so sinnlos erschien. Es war ihm nie gelungen, obwohl es vielleicht sogar besser gewesen wäre, wenn ich höre, wie es ihm jetzt geht. Allein, ganz allein bewohnt er eine winzige Wohnung in einem heruntergekommenen Viertel am Stadtrand. Niemanden lässt er an sich heran, egal wie viele helfende Hände sich ihm entgegenstrecken, alle schlägt er wütend beiseite. Die Enttäuschung hat ihn bis für den Rest seines Lebens einsam gemacht und verbittern lassen. Selbst zu seinem Zwilling hat er den Kontakt abgebrochen, weil er sich schämt, weil er glaubt versagt zu haben. Gestern noch haben tausende, aufgebrachte Mädchen seinen Namen geschrieen, heute ist er ein Nichts.
Wieder werfe ich einen Blick auf meine Uhr und stelle traurig fest, dass wohl niemand kommen wird. Meine ehemals besten Freunde scheinen ihre Vergangenheit, nein, unsere gemeinsame Vergangenheit abgehakt zu haben. Um das ungute Gefühl in der Magengegend zu verdrängen, die Enttäuschung. Anscheinend haben sie alle vergessen, dass es auch glückliche Momente gab, zum Beispiel den Tag, an dem wir das erste Mal in unserem eigenen Proberaum gespielt haben oder als uns der Plattenvertrag angeboten wurde, welcher uns später zum Verhängnis werden sollte. Mit einem Lächeln denke ich daran zurück, wie wir uns mit Tränen in den Augen gegenseitig um den Hals gefallen sind, nachdem wir erfahren hatten, dass wir mit unserer ersten Single, mit „Durch den Monsun“ auf Platz eins gelandet waren.
Aber vor allem eins werde ich nicht vergessen: Unser erstes Konzert vor einem riesigen Publikum, in einer ausverkauften Halle. Wie glücklich wir doch damals waren, wie stolz. Wir dachten, wir wären am Ziel angelangt, doch wir haben uns wohl getäuscht. Es ist vorbei, endgültig. Sowohl unsere Musikkarriere, als auch unsere Freundschaft. Jeder von uns geht jetzt seinen eigenen Weg, der eine mehr, der andere weniger glücklich.
Seufzend stehe ich auf, ich hatte es ein letztes Mal versuchen wollen, wollte unsere Freundschaft wieder einmal kitten, aber das war wohl mehr ein Wunschdenken, als die Realität.
Und auch wenn ich weiß, dass wir uns nie mehr wieder sehen werden, dass wir uns gegenseitig an den Ruhm verraten haben, verlasse ich lächelnd das Cafe. Denn die glückliche Zeit, die wir miteinander hatten, kann uns keiner nehmen, egal wie weit wir uns mittlerweile voneinander entfernt haben.
Auch wenn ihr nicht gekommen seid, wenn unsere Freundschaft zerbrochen ist, ich werde euch nie vergessen.
Danke, Jungs.
Danke für alles.
Ende
Re: Nach dem Ruhm
amy - 10.07.2006, 21:09
omg! süße! das ist sowas von gut geworden, ehrlich! wow! ich hab tränen in den augen, so traurig und schön ist das. :cry:
Re: Nach dem Ruhm
cassy - 10.07.2006, 21:23
Wow, das war wahnsinnig schön :)
Also mich hat das jetzt echt mal berührt...
Und das nicht weil mir vor Kitsch die Augen tränen, sonders weil es mir aufrichtig gefallen hat
Wirklich wunderschön...
Re: Nach dem Ruhm
Spanni - 11.07.2006, 11:50
ach du kagga is des geil *schluchz*
omg das is ja sau geil
Re: Nach dem Ruhm
Lenny - 11.07.2006, 17:33
Hehe, dankeschön ihr drei! :oops:
Re: Nach dem Ruhm
Spanni - 12.07.2006, 13:24
lenny wird zum star
Re: Nach dem Ruhm
IrisLein - 30.07.2006, 13:29
Ja...
Lenny wird zum Star wenn sie so genial weiter schreibt!!
:ja:
Wunderbar was du daurauß gemacht hast!
Re: Nach dem Ruhm
livetolovebill - 13.08.2006, 21:01
ja, die story ist echt total toll! :D
Mit folgendem Code, können Sie den Beitrag ganz bequem auf ihrer Homepage verlinken