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Sandy - 04.07.2006, 20:47
20.11.2004
ist zwar schon etwas her, aber vielleicht doch interessant
Ist auch einfach mitten drin angefangen und original so passiert
Gut, okay, nachdem wir dann zurück auf der Wache waren machten wir es uns gemütlich. Thomas verschwand zum Frühstück in den Aufenthaltsraum und ich kam auf Yogi's Kaffee zurück, wobei ich erst eine Tasse spülen musste und es mir dann im Büro, bei Kaffee und Frühstück und einem Plausch mit Yogi gemütlich machen wollte, bevor ich die Berichte schreiben wollte.
Zu dem kam ich allerdings nicht, denn zuerst meldete sich unser Fax und ganz kurze Zeit später begann es bei Christian und Sascha zu "piepen". Yogi sah dabei aus Interesse in die Alarmdepesche um zu sehen, was die beiden denn zu tun bekommen würden und bemerkte dabei, dass sie zu einem Verkehrsunfall auf dei A3 müssen. Ich dachte mir zu dem Zeitpunkt nur, dass wir hoffentlich nicht den zweiten Notarzt fahren müssen, aber soweit, den Gedanken auszudenken kam ich überhaupt nicht mehr, denn im nächsten Augenblick meinte Yogi nämlich, dass wir mit dabei wären.
Ich weiß, das Yogi gerade mir gegenüber gerne mal Scherze macht, wollte ihm den Spruch demnach auch nicht wirklich glauben und überzeugte mich von dieser Aussage durch einen kurzen Blick auf die Depesche lieber selber, zumal wir auch gar keine Alarmierung bekommen hatten. Yogi machte in diesem äußert ernsten Fall auch tatsächlich keinen Witz, denn irgendwo zwischen ganz vielen anderen Fahrzeugen stand tatsächlich 13-85-1.
Mein Denkspektrum reichte in diesem Moment nicht gerade weit, mir schoss nur ein "oh Mist" durch den Kopf und dann hieß es blitzschnell handeln. Diese Handlung sah so aus, dass ich fast durch die halbe Wache nach Thomas brüllte, mir von hinten im gleichen Augenblick schon Sasche und Christian entgegen schossen, und ich mein "Brüllen" mit den Worten "wir müssen auch mit raus!" beendete.
Bis zu dem Zeitpunkt dachte ich, Thomas wäre eine Schlafnase aber da reagiert er genauso blitzschnell wie ich. Interessant fand ich nur, dass ich plötzlich nicht nur Thomas da stehen hatte, sondern zusätzlich Sven. Dazu kann ich nur sagen, der reine Hammer: Im ersten Moment war ich zwar sprachlos, weil ich nicht wirklich wusste und auch zwischen "ja" und "nein" etwas hin und her gerissen war, denn Sven frage mich allen ernstes, ob ich auf der Wache bleiben möchte und er für mich mit raus fahren soll, aber in Sekundenbruchteilen antwortete ich darauf: "Nein, ich fahr selber mit raus, vielleicht kann ich ja noch was lernen!", schnappte meine Jacke und "sprintete" hinter Thomas her zum KTW, zu der Zeit saßen Christian und Sasche schon längst im Auto.
Im ersten Moment war ich mir zwar nicht sicher, ob diese Entscheidung wirklich die richtige war aber zurück ging eh nicht mehr als ich im Auto saß.
Je näher wir der Autobahn kamen, desto mehr sah ich diesen Einsatz als eine Chance die ich nutzen wollte, am interessantesten war allerdings, dass ich überhaupt nicht nervös war, rein gar nicht, ich war die Ruhe auf zwei Beinen.
Anfänglich konnten wir im Tempo sogar noch mit dem RTW mithalten, aber auf der B58 hatten sie uns abgehängt und waren ca. zwei bis drei Minuten vor uns am Einsatzort.
Ich wusste, dass Unfälle frausam sein können und stellte mich demnach auf ein verwüstetes, frausames Bild ein, wenn wir ankommen würden, aber so arg sclimm war es überhaupt nicht. Nachdem wir angekommen waren hatte ich ihm Übringen auch gar nicht die Zeit dazu mir erst einen Überblick über die Situation zu machen, denn ich bzw. wir waren kaum ausgestiegen, da kam ein Mann mit einem Kleinkind im Arm auf mich zu und bar um Hilfe, in gebrochenem Deutsch aber es war sofort klar was er wollte.
Selbstverständlich versuchte ich erst einmal selber was zu tun, die einzigen zwei Probleme die ich hatte waren: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen im Gegensatz zu manchen Meinungen, daher war ich mir einfach nicht sicher wie ich die Sache angehen sollte und zum zweiten sprach der Vater nur schlecht deutsch, weswegen die gesamte Kommunikation auf Englisch ablaufen musste.
Zwei komplizierte Situationen auf einmal waren nicht so einfach für mich gleichzeitig zu lösen: Immer erst nachdenken, wie man etwas auf Englisch fragen oder erklären kann und zusätzlich noch versuchen dem Kind zu helfen, irgendwas war da zuviel und das erkannte ich ziemlich schnell.
Natürlich versuchte ich diese "Überforderung" nicht erkennen zu lassen und tat zumindest etwas, indem ich nämlich versuchte die Atemnot etwas zu minimieren, dadurch das ich den Kopf überstreckte, alles natürlich vorsichtig.
Das brachte nur leider auch nichts, weswegen ich Thomas losschickte irgendeinen freien Assistenten zu organisieren, von mir aus hätte es auch jemand von den Löschis sein können, Hauptsache Assistent. Mit dieser Maßnahme war ich zumindest zeitweise auf mich allein gestellt aber ich war auch froh, als Sascha plötzlich bei mir am bzw. im Auto stand. Dann allerdings kam es zu einer etwas dummen Situation, denn wir hatten weder Sauerstoffmaske noch Brille im Auto, also musste ich anfangen im Koffer zu kramen und wurde dort mit einer Erwachsenenmaske auch tatsächlich fündig, war für den Anfang immerhin besser als gar nichts.
Plötzlich stand dann auch noch der von vielen sehr beliebte Doc Höpken bei uns im Auto, sah kurz auf das Kind und meinte, dass er einen Guedel-Tubus haben möchte, woraufhin wir wieder den Koffer plünderten und eigentlich feststellten, dass unser KTW für solche Einsätze eigentlich überhaupt nicht geeignet sind, aber nun waren wir da und mussten mit dem uns zu Verfügung stehenden klar kommen.
Als es mir im KTW dann irgendwann zu eng wurde, weil dieses Auto im Patientenraum fr maximal drei Personen geeignet ist, nahm ich den Weg des geringsten Wiederstandes und zog mich aus diesem "Gruppenkuscheln" zurück, da ich im Auto sowieso nichts mehr tun konnte.
Stattdessen versuchte ich mir irgendwie einen Überblick über den Unfall zu verschaffen und gleichzeitig half ich an den Stellen, wo Hilfe benötigt wurde, Thomas hingegen war mehr oder weniger "Laufbursche" für alle die irgendwas benötigten, genaus degradiert wie mancher Feuerwehrmann der rumstand und zum "Läufer" wurde, aber anders wäre die Situation nur schwerlich zu managen gewesen.
Was ich eigentlich recht schnell mitbekommen hatte war, dass insgesamt vier Autos in die Aktion verwickelt waren und als ob diese Tatsache nicht schlimm genug gewesen wäre, waren, um die Grausamkeit perfeckt zu machen, insgesamt, neben den Erwachsenen, vier Kinder beteilgt. Es war kein sehr weit verstreuter Raum in dem sich die Verletzten befanden, aber um es mal plastisch zu machen: Ein Junge lag neben der Leitplanke auf dem Seitenstreifen, ein kleines Mädchen befand sich neben dem roten Fahrzeug und irgendwo muss noch ein Kind gewesen sein, wo ist mit allerdings verborgen geblieben.
Während ich in dem Szenario so herum lief, fielen mir zwei Ärzte auf, die bei dem kleinen Mädchen schon aktiv geworden waren, allerdings gerade mehrere Hände zuwenig hatten, da einer am reanimieren war, der andere war am beutelen, der Assistent war mit absaugen beschäftigt, aber keiner der Docs hatte mal eine Hand zum Zugang schupsen frei, also bot ich mich an und reanimiert weiter, zumindest so lange, wie kein Assistent Zeit hatte, weil neben dem Zugang auch Medikamente vorbereitet werden mussten.
Reanimieren, hm, an den blöden Puppen schon mehrere Stunden hintereinander gemacht, aber noch nie real und schon mal gar nicht bei einem Kind. Das war schon eine Erfahrung für die Ewigkeit, aber dennoch irgendwie etwas ganz selbstverständliches, obwohl es mit der Frequenz ein bisschen haperte, da hätte ich dann ruhig mal meine eigentliche Arbeitsfrequenz anwenden dürfen.
Ein komisches Gefühl war es aber schon zu wissen, dass man nicht nur auf einer Plastikplatte rumdrückt, sondern das sich unter der Haut und den Knochen ein reales, kleines Herz befindet, dessen Reizleitungssystem momentan "Rock 'n Roll" tanzt und macht wozu sie lustig sind.
War natürlich eine neue Erfahrung, aber dennoch irgendwie genauso "normal" wie eine Puppe zu "reanimieren", obwohl die Puppen nie ein total verletztes Gesicht haben, was hier noch dazu kam. Das war der einzige Augenblick, in dem mir die Kleine tatsächlich lied tat, die Rea. konnte ich hingegen gut verarbeiten, aber das Gesicht, übersäht mit tiefen, klaffenden Wunden und zu allem hinzu kam noch ein schweres SHT. Sie musste zudem mehrfach abgesaugt werden, da sich irgendwelche Flüssigkeiten immer wieder in ihren Lungen und Atemwegen sammelte.
geht noch weiter, nur nicht mehr jetzt
Sandy - 04.07.2006, 21:15
Anschließend, als dort ein Assi Zeit hatte weiter zu reanimieren wechselte ich meinen Standort und gerade zu der Zeit wurde auf der Fahrerseite, neben dem roten Auto eine helfende, sachkundige Hand benötigt. Ich lief nämlich gerade zur richtigen Zeit an der reichtigen Stelle vorbei, denn der junge Arzt brauchte jemanden, der den Arm des Verletzten festhalten konnte. Es waren zwar jede Menge Feuerwehrmänner zur Stelle, man arbeitet nun mal meistens im Rudel, waren vornehmlich bei den Kinder beschäftigt, war mit Sicherheit vernünftig.
Die Aufgabe, die ich dort zu erfüllen hatte war auch nicht so schwer, zumal ich für andere, nebenläufige Sachen, einfach einen von den Feuerwehrmännern losjagte. Mein Job bestand erst einmal nur darin, den Arm festzuhalten, damit der Doc einen Zugang legen konnte, was allerdings nicht funktionierte, da der Mann sehr schnell sehr stark zentralisierte. Nachdem dieser erste Versuch gescheitert war, wurde ich gebeten einen weiteren Zugang zu besorgen, was ich auch tat, dabei mich allerdings weider bei anderen am Material bedienen musste und anschließend mit einer grünen Viggo zum Doc zurück flitzte, die er dann am linken Arm legte; vorher ließen wir allerdings eine Kleiderschere organisieren, weil es mit hochschieben alleine nicht ging. Da Zugang ohne Infusion aber gleich Käse bedeutet schickte ich einen von den Feuerpatschen los, aus irgendeinem Koffer oder Rucksack eine Ringer zu klauen, zurück kam er mit einer HAES, womit wir nun gar nichts anfangen konnten, also musste ich selber los um eine Infusion zu holen, als ich zurück kam war der Problem zwar schon geklärt, aber schaden konnte es nie.
Dann hatten wir auch irgendwann den Zugang liegen und dann konnten wir auch die Infusion anlegen, hinterher drückte mir dann die Kollegin aus Dinslaken die RR-Manschette in die Hand, woraufhin ich selbstverständlich den RR gemessen habe, zuvor musste ich allerdings auch den zweiten Ärmel von Jacke und Pullover zerschneiden, weil es die ganze Sache wesentlich vereinfachte. Der RR lag bei 100/60 mmHg, war eine leicht beginnende Schocksymptomatik, die aber durch die Infusion aufgehalten wurde.
Voerher schafften wir es allerdings, dem Mann etwas Sauerstoff über eine Maske zu verabreichen, obwohl er zwar keine Atemnot hatte, aber Sauerstoff ist immerhin auch immer für die Psyche ganz gut.
Beim RR messen musste ich diesmal zudem dreifach gut hinhören: Erstens lief der Verkehr auf der Gegenfahrbahn fast normal weiter, zweitens waren überall irgendwelche Stimmen zu hören, hinten, neben, vorne und drittens kam genau zu dem Zeitpunkt das Turbinengeräusch des Christoph 9 aus Duisburg hinzu, aber funktionierte trotzdem.
Auch diesen Patienten sah sich Dr. Höpken zusätzlich an und meinte, dass bei dem Patienten zusätzlich ein großer Zugang gelegt werden soll und das mla irgendjemand Morphin als Analgetikum aufziehen soll, dieser Aufgabe nahm ich mich zwar nicht an, denn ich beschränkte mich lieber auf die Assistenz beim Zugang legen. Das tat der Doc auch und diesmal, dank etwas aufgehobener Zentralisation funktionierte der Zugang auch am rechten Arm.
Anschließend kam dann mal jemand auf die Idee, dass es eventuell sinnvoll wäre, den Patienten etst einmal auf die Vakuummatratze umzulagern und in den RTW zu bringen, da es dort um ein vielfaches wärmer wäre als auf der nassen Straße, weswegen wir mit insgesamt fünf Leuten anpackten und ohne Schaufeltrage, was mit Sicherheit etwas sinnvoller gewesen wäre, umlagerten, danach wurde die Matratze abgesaugt und by the way bemerkte der junge Feuerwehr-Kollege, dem ich die Infusion in die Hand gedrückt hatte, dass diese fast leer war.
Okay, ich organisierte schnell eine neue Infusion, drückte sich dem Löschmenschen auch noch in die Hand und wechselte dann mal kurzerhand das System, zudem ließ ich die zweiten 1000ml etwas langsamer laufen, da ja schon ca. 1000ml relativ flott durchgelaufen waren, frei nach dem Motto: "Erst einmal Volumen, und das zügig!", zumindest beim Schock.
Nach dieser Aktion gab es dann auch dort für mich nichts mehr zu tun, weswegen ich mich langsam mal wieder auf den Weg zu "meinem" Fahrzeug machte, welches auch rege genutzt wurde, denn dort befand sich mittlerweile der Junge, der vor den Leitplanken auf dem Seitenstreifen lag, erkannt am Kopfverband.
Thomas war in der Zeit glücklicherweise auch beschäftit worden, denn er konnte sich um die Betreuung der unter Schock stehenden Mutter aus dem roten Fahrzeug kümmern, was jedenfalls für ihn interessanter war, als nur hin und her geschickt zu werden.
Sandy - 05.07.2006, 15:47
In unserem Auto kümmerte sich derweil ein Feuerwehrmann, egal welche medizinische Qualifikation er auch immer hatte, um die Betreuung des Jungen, das wurde mir vom LNA übergeben. Zu dem Zeitpunkt war nur leider kein Notarzt mehr frei, sonst wäre es vermutlich einfacher gewesen den Jungen zu versorgen, also mussten wir auf den zweiten angeforderten Hubi, Christoph 8 aus Lünen, warten, der sich allerding schon im Anflug befand.
Nachdem dieser fliegende RTW dann auf der Wiese gelandet war, packten Doc und Assistent in aller Ruhe ihre Sachen zusammen und kamen mal gemütlich zu unserem Auto gestiefelt, in dem ich mich mittlerweile zusammen mit dem Feuerwehrmann befand und Volker Wagner, einer der Kollegen die mir das KTW fahren lehrten, immerhin verbrachte ich meine erste eigene Schicht mit ihm, sollte die Übergabe machen, wozu er allerdings nicht kam. Mir wurde es dann mit vier Mann auch wieder zu "kuschelig" im Auto, also ließ ich das Heli-Team alleine, was auch sinnvoller war, obwohl ich vom Heli-Doc die Aufgabe bekam, irgendwoher einen Stifneck zu organisieren, weswegen ich den ca. 400-500 m langen Weg zu unsrem RTW aufnahm, der in der Nähe von Christoph 9 stand und da mal nachfragte, ob die noch einen Stifneck haben.
Mir war in dem Moment völlig egal, ob ich Sascha bei seiner Übergabe störte oder nicht, ich brauchte dieses Ding und daher fragte ich einfach frech dazwischen. Die beiden waren auch überhaupt nicht böse, und ich fand es richtig interessant, mal bis auf vielleicht 10 Meter an dieses fliegende rote Ding, namens Christoph 9, herangekommen zu sein und dann ging Christian mit mir zusammen zum RTW und gab mir den letzten Stifneck, der auf diesem Auto noch drauf war.
Meine Kraft bzw. Kondition reichte dann leider nicht mehr dafür aus um auch noch den gleichen langen Weg, nämlich 400-500 m zum KTW zurück zu hoggen, also trabte ich die ersten vielleicht 200 m, wobei sich mein linker Socken auch noch in den Schuh zog und ich wirklich nicht mehr bequem laufen konnte, und den Rest der Strecke legte ich dann gehender Weise zurück, anders ging es gar nicht, wenn nicht irgendjemand noch einen Sani als Patienten hätte haben wollen, zudem ich auch nicht vernünftig gefrühstückt hatte.
Nachdem ich wieder zurück am KTW war musste ich mich dann belehren lassen, dass auch ein Stifneck Select nicht für Kinder geeignet ist und das dafür irgendwie ein kleinerer aufgetrieben werden muss, egal woher dieser auch immer kommen mag. Diese Gegenbenheit wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt aber auch noch gar nicht, weil man in Münster immer nur davon ausgeht, dass man zu Unfällen mit Erwachsenen gerufen wird und nicht zu darin verwickelten Kindern.
Tja, dann wurde es in unserem Auto richtig geschäftig, denn der Notarzt ließ das Intubationsbesteck holen und ich hatte schönerweise das Gefühl, dass sie den Jungen vernünftig abschießen würden, damit seine Schmerzen endlich aufhören, weswegen er auch intubiert werden musste.
Mir war die ganze Situation, die in "meinem" Auto gerade passierte eigentlich total egal, denn ich war nur froh, dass wir nicht auch umsonst hinfahren mussten, wie unser dreier, sondern, das unser Auto auch durchaus sehr rege genutzt wurde. Was ich allerdings weniger erfreulich fand war, das es in der Zeit, in der Notarzt und Assistent vom Hubi in unserem Auto beschäftigt waren tierische anfing zu regnen und ich richtig mega nass wurde, und zudem hatte ich immer noch das Socken-Problem, welches sich allerdings ganz einfach lösen ließ.
Da ich in der Zeit, in der das Heli-Team in unserem Auto arbeitete, mehr oder weniger Zeit hatte, setzte ich mich mal kurz auf eine Leitplanke, zog meinen Schuh aus und konnte meinen Socken mal wieder richtig anziehen, was die ganze Sache etwas angenehmer gestaltete. Einen komischen Blick bekam ich nur von irgendeinen Feuerwehrmann zogeworfen, der wohl dachte, das es mir nicht gut gehen würde, als ich mich auf die Leitplanke setzte, aber das war ja gar nicht der Fall.
Interessant waren auch die Gespräche, die Dr. Abel und der Heli-Doc führten, denn der Heli-Doc musste erst einmal erklären, das der Pilot sich in unserer näheren Umgebung gar nicht auskennen würde und das sie nur in eine weit entfernte Klinik transportieren könnten, was allerdings auch schon gast gar nicht mehr anders machbar war. Alle Kliniken in unserer Umgebung waren schon belegt und somit war fast klar, dass es nach Dortmund oder Lünen gegangen wäre, man einigte sich jedoch auf den Konsens Bochum Kinderklinik, was zwar auch nicht die allernächste Variante war, aber zumindest eine Klinik, die ein schwer polytraumatisiertes Kind aufnehmen konnten.
Irgendwann gingen Thomas und ich uns dann noch einmal die etwas beruhigte Lage ansehen und kamen recht schnell dahingehend überein, dass es schon eine heftige Sache war, zu der wir uns da hin "getraut" hatten und zu dem Zeitpunkt erzählte ich ihm auch die Geschichte mit Sven. Thomas wäre nicht ganz abgeneigt davon gewesen auf der Wache zu bleiben, weil Sven mit Sicherheit mehr von diesem Unfall gehabt hätte als er, aber nun war es nicht so und wir überlebten diese Aktion trotzdem. Als wir allerdings so da standen bemerkte Thomas, dass uns die Leitstelle ein "J" gegeben hatte, weswegen ich mal freundlich anfragte, warum dieses denn so wäre. Zur Antwort bekam ich, dass ich wohl die "fünf" gedrückt hätte, was aber gar nicht der Fall war. Ich schlussfolgerte daraus, dass wohl einer vom Heli durch irgendeine Bewegung oder Handlung an die "fünf" gekommen sein muss, aber das war im Endeffekt ja auch egal, ich erklärte es nur kurz so, damit die Sache abgeschlossen war.
Dann blieb ich noch einen Moment im KTW sitzen und als ob der Notarzt darauf spekuliert hätte, fragte er mich, ob ich wegfahren würde. Ich verneinte das selbstverständlich, zumindest nicht so lange, wie er mit dem Kind noch in unserem Auto wäre, was er begrüßte und mich dann bat, ihm ein Medikament aufzuziehen, welches er verabreichen wollte. Er reichte mir daraufhin eine Ampulle Esmolol samit Spritze und Kanüle nach vorne und natürlich konnte ich das tun, war ja gar kein Problem, denn er selbst hatte nur eine Hand frei, weil er mit der anderen am beuteln war und sein Assistent ihn verlassen hatte um irgendetwas zu holen oder abzuklären.
Ich weiß auch nicht was los war, ich machte mir das Leben selber schwer, denn ich hatte die Kanüle oberhalb des Flüssigkeitsspiegels und war mit der Spritze am kämpfen. Zuerst dachte ich, dass das Medikament "zäh" wäre, dass man unheimlich Kraft brauchen würde um es aufzuziehen, doch dann machte mich der Arzt darauf aufmerksam und als ich den Kampf dann endlich gewonnen hatte, machte ich prinzipiell den größten Fehler den man machen kann: Ich zog die Kanüle aus der Ampulle raus und reichte die Spritze so nach hinten. War klar falsch, sinnvoller wäre entweder nur Spritze oder Kanüle plus Ampulle gewesen, aber okay, konnte ich nicht mehr rückgängig machen.
Dann kam irgendwann die Frage vom Doc wo er denn die Kanüle jetzt hintun könne, woraufhin ich ihm unser Kontamedchen aus dem Koffer anbieten musste, weil ich nicht wusste, dass wir sowas auch im Auto haben, bis ich hinterher den Wagen wieder bestückt hatte.
Dann kam der Assistent vom Heli wieder und dann wurde es endlich konkret, dass das Kind weg kam, denn die ganzen Kabel wurden noch kurz umgeschlossen und dann ging es rückwärts Richtung Heli. Dort halfen wir dann alle beim umlagern und hinterher kümmerte ich mich zumindest schon mal kurz darum, den Wagen wieder etwas aufzuräumen, weil wirklich ein Müllchaos vom Doc hinterlassen wurde, aber für eine Entsorgung von Verpackungsmaterial hat man in solch einer Situation immerhin gar keine Zeit und das war auch überhaupt nicht schlimm.
weitere Ausführungen zu diesem Tag mache ich nicht mehr, ich denke, dass reicht
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