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 Betreff des Beitrags: 7.6.08 Rebirth Of The Dead Clubs
BeitragVerfasst: 13.05.2008, 16:33 
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Requiem für einen guten Club!
Eines steht fest, Clubs bilden seit je her das Fundament jeglicher alternativ konstituierter Tanzmusik – egal ob Rock, Jazz, Funk, Hip Hop, Punk, Metal oder Reggae bspw. Im speziellen gehen wir natürlich von Techno- und House- Institutionen aus, da sich hier die größtmögliche Schnittmenge zu unseren musikalischen Begehrlichkeiten bildet. Bis in das Jetzt unserer Subkultur haben sich zwei grundlegende Prinzipien gefestigt. Vereint man die beiden Hauptströme Techno und House in einem Kanal, so ist es der visuelle und atmosphärische Bezug des Clubs, der die Leute scheinbar magisch und selbst aus weiten Entfernungen anzieht. Dies geht bei erstgenannter Richtung zu meist auf die englische Warehouse- Tradition zurück, wo Jugendliche, zu großen Teilen in schlichten Trainingsanzügen gekleidet, zu elektronisch erzeugter Musik in alten Industriebrachen ihr ganzes Wochenende lang zelebrierten. Während man im Housegenre eher auf die optischen Finessen und das Interieur des legendären Studio 54 verweist, und umschifft somit galant die Impulse der frühen Phase dieser Musik, die ebenfalls in Garages und Warehouses stattfand.
Diese beiden Grundsäulen, um die der akustisch- phonetischen Qualität ergänzt, tragen die Plattform auf der sich dieser spezielle subkulturelle Nährboden bilden kann. Denn Clubs sind aus Sicht ihrer Besucher stets mehr als hedonistisch geprägte, Geld absaugende Tempel, oder sollten dies zu mindest sein. Konstatieren lässt sich, dass ein Club in der Vergangenheit immer dann zu einer Institution reifte, wenn der Gast [liebevoll Clubber genannt] sich kreativ, sozial, und natürlich ausschweifend in seinem Club identifizieren konnte, viel mehr noch, ihm diese Parzelle der Integration gar als Wochenenddomizil dient.
Es ist an der Zeit fünf dieser speziellen Einrichtungen in Sachsen und Thüringen, die diese Kriterien absolut erfüllten, festlich gebührend zu würdigen.



Revival House präsentiert von Gattersburg - Flucs - Shootclub

migthy Yo (Flucs, Weira)
Janosh (Gattersburg, Grimma)
Kiss (Gattersburg, Grimma)
Le Tompe (Shootclub, Delitzsch)
Der Kalte (Gattersburg, Grimma)
Mike Pecoon (Flucs, Weira)
Hank (Shootclub, Delitzsch)

Techno präsentiert von Achtermai - Zehnvierzig



Hanson & Schrempf live (8.Mai, Rohrmusik)
Kratzer (1040, Leipzig)
Soapespierre (8.Mai, Chemnitz)
Albert Schweitzer live (1040, Leipzig)
Andrew Elliot (8.Mai, Chemnitz)
Mathias Vogel (1040, Leipzig)
Timo Remus (8.Mai, Chemnitz)
Christian Eimann (1040, Leipzig)
Scott Vilbert (Shootclub, Delitzsch)

Minimal präsentiert von Shootclub

Mira (Lanetic, Berlin)
Markus Welby (Distillery, Shootclub, 8.Mai)
Abdamon (Shootclub, Delitzsch)
Sven B. (Flucs, Weira)
Oliver Braun (Shootclub, Delitzsch)
Marco Del Mar (Shootclub, Delitzsch)
De Bear (Shootclub, Delitzsch)

Electro präsentiert von Dusted Decks

Markus Lange live (Dusted Decks, Craftmusic, Forst)
Golden Toys (Dusted Decks, Leipzig)
Vortex (Dusted Decks, Leipzig)
Tom B.(Dusted Decks, Prazisionwerk)
Superbooze (Dusted Decks, Leipzig)
Pleasure (Shootclub, Delitzsch)
Promax (Shootclub, Delitzsch)


Achtermai Chemnitz
Nach der Schließung des Lait Solaire 1998 klaffte eine riesige Lücke, die sich mit der Eröffnung des Club Achtermai Ende 1999 schloss. Die Zeit war reif für etwas Großes und so etablierte sich in den ehemaligen Katakomben des Kombinat „8. Mai“ ein Club, der sich in kürzester Zeit deutschlandweit einprägte. Hanson & Schrempf lernten hier ebenso laufen, wie Chris Liebing kontinuierlich gastierte und selbst Cocoon initiierte hier Partys. Was den Club neben seiner mondänen Räumlichkeiten auszeichnete war ein konstantes internationales Lineup, ebenso wie gewagte [vorwiegend technoide] Experimente. Mit verantwortlich für dieses Intemezzo war Soapespierre, der sich vorwiegend um die musikalische Ausgestaltung kümmerte. Eines dieser Experimente waren die Achtermai meets 1040 Nächte, in denen sich die beiden großen sachsischen Technoclubs konstant herausforderten. Im Sommer 2004 wurde das Arial des Kombinates dem Erdboden gleich gemacht, leider!

Flucs/ Y.ra DC Weira
Den Reiz des Besonderen wusste man im beschaulichen Dorf Weira von Beginn an zu pflegen. Mit dem Flucs stand der gemeinschaftliche Aspekt eines Clubprojektes so stark im Fokus, dass man sich selbst einen eigenen Flucspartybus zulegte – und wir reden hier von einem Linien Bus. Der als Verein gestartete und später [als Y.ra DC] privat geführte Club war stets eine Pilgerstätte. Housemusik [im Schwerpunkt] das Mantra welches man tage- und nächtelang vernehmen konnte. Weira bildete immer den Konsens, auch wenn der Clubsympathisant bei der Wahl seiner Feierstätte den kleinsten gemeinsamen Nenner ausschloss, so war man sich beim Flucs einig. Der Club war liebevoll eingerichtet mit einem leichten Hang zum verträumten, was ihn aus der Masse herausstechen ließ und bis heute in den Herzen verankert. Leider wurde auch Weira Opfer eines behördlich angeordneten Exitus. Nach jahrelanger polizeilicher Belagerung gab die Housekoryphäe DJ YO [heute Mighty YO] schweren Herzens auf und schloss Weira für immer.

Gattersburg Grimma
Der im Jahr 2003 geschlossene Club Gattersburg zählt bis heute zu den Housemusik- Hochburgen, schließlich zeichneten sich Dj Janosh und Dj Kiss für diesen Club verantwortlich. In einer musikalisch eher als karg zu wertenden Region wagte man hier das Experiment einen Club zu betreiben, der sich vornehmlich dem Thema „Untergrund/ alternativ“ verschrieb und alle Besonderheiten und Intimitäten der Housekultur in sich vereinte. Neben zahlreichen großen und internationalen Acts verdankt der Club seinen Ruf den exzellenten Residents, die bis heute zur Spitze der regionalen House- Djs bilden. Die musikalische Vielfalt, im speziellen der große Facettenreichtum den die Housemusik bietet wurden hier brillant vereint, sodass man noch heute bei der Ausrichtung von Partys auf den Stil der Gattersburg- Nächte Bezug nimmt.

Shootclub Delitzsch
Nah der Grenze zu Leipzig schaute man keineswegs voller Neid auf die vornehmlich im Stadtkern der Messemetropole angesiedelten Houseclubs. Wann bekommt man schon die Möglichkeit einen Club von Grund auf zu konstruieren? Im ehemaligen Ziehwerk in Delitzsch bot sich diese Möglichkeit und man erschuf einen der infrastrukturell und atmosphärisch besten Clubs. Dies war die Grundlage für außergewöhnliche Partynächte im Shootclub, wo das Attribut „zelebrieren“ perfekt ausdefiniert wurde. Das Prinzip der subkulturellen Integration griff hier umfassend, selten wurde dieser wichtige Aspekt eines Clubs so intensiv gepflegt. Einige der Initiatoren des Clubs sind bis heute Teil der regionalen Künstlerspitze – mit Debear, Le Tompe und der Sängerin Jenny Casparius lebt der Shootclub auf Ewig weiter.

Zehnvierzig Leipzig

Wenn man heute von einem Club- Mythos spricht, dann kommt man um den Leipziger Technoclub 1040 nicht umher. Hier war alles außergewöhnlich. Eine alte Industriebrache der Bahn, im dritten Stock gelegen, eine mondäne Dachterrasse und dem unbedingten Wille der Betreiber zum Experiment. Wie viele Hürden genommen werden mussten [inklusive vorübergehender behördlich verordneter Schließung], bis der Club schlussendlich alle Genehmigungen erhielt um mit seinem individuellen Repertoire aufzuwarten ist nicht mehr darzustellen und relevant. Techno als Grundbaustein, konträr zu allen Massenströmen dieser Kultur boten regionalen wie internationalen Künstlern die Möglichkeit im „Zehner“ zu gastieren und prägten so eine ganze Generation von Genre- Künstlern sowie den 1040- Jüngern, die ihren Club auch Jahre nach der Schließung vergöttern. Ebenfalls non konform präsentiert sich die fast geschlossene Künstlerriege bis zum heutigen Tage als zehnvierzigbooking.de. Mit Stephan von Woffersdorf, Kratzer, oder Perry bspw. ist der Sound dieser Kultstätte so mit Unsterblichkeit gesegnet.

date: 07.juni2008

time: 22:00 uhr
theme: rebirth of the dead clubs
achtermai/flucs/gattersburg/shootclub/zehnvierzig
costs: 9 Euro VVK
venue: altes ziehwerk / ehemaliger shootclub - eilenburger chaussee 68 - 04509 delitzsch


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