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chalida - 01.09.2007, 17:28
Beißende Welpen – und unsere Sicht auf Hunde
Beißende Welpen – und unsere Sicht auf Hunde



Welpen sind so niedlich! Es fällt vielen Menschen schwer, einem kleinen Racker vom ersten Tag an Grenzen zu zeigen, die ihn ein Hundeleben lang zu einem angenehmen Gefährten machen. Wie soll man sich vorstellen, dass dieses Knäuel einem später über den Kopf wächst, wenn man heute mal ein bisschen was durchgehen lässt? Manche Menschen bringen es einfach nicht übers Herz – oder WISSEN nicht, welche Kleinigkeiten sich später zu Problemen auswachsen können. Das ist allzu menschlich.

Letztens hörte ich von einem Yorkshire Terrier-Welpen, der seine Menschen beißt (im Spiel oder auch so) – mit der Frage: Was kann man dagegen tun?

Bei kleinen Rassen schnappt die Niedlichkeits-Falle noch schneller zu: Wir sehen das kleine Wesen als Schmusetier, wir haben wenig Respekt – oder müssen ihn nicht haben, weil solche „Zwerge“ uns nicht so schnell etwas tun können wie eine Dogge. Sie machen vielleicht nicht so schwerwiegende Probleme wie große Hunde – sie haben aber oft Probleme, weil sie missverstanden werden.

Denn: Trotz aller Rassen- und Charakterunterschiede bleibt der Hund ein sozial lebender Beutegreifer. Ich habe schon einen Yorkshire Terrier-Welpen in der Hundeschule gesehen, der im Alter von 14 Wochen mit absoluter Begeisterung den Futterbeutel apportierte! Kein Kläffen, kein Beißen – Sitz, Down: alles kein Problem. Eine sehenswerte „Vorstellung“!

Dass ein Welpe – egal welcher Rasse – zu beißen anfängt, hat sicher verschiedene Ursachen oder eine Kombination daraus. Zwei sehr wahrscheinliche Möglichkeiten möchten wir Ihnen vorstellen.

1. Er kennt keine Grenzen (Beißhemmung)
Welpen lernen im Spiel mit ihren Wurfgeschwistern die Beißhemmung. Es wird zuerst noch wild getobt und ordentlich zugebissen. Wenn das zu Schmerzen führt, reagiert der Gebissene mit Schmerzschrei und Meideverhalten oder mit ernstem Zurückbeißen – je nach Persönlichkeit. Das Spiel wird durch einen zu heftigen Biss auf jeden Fall beendet! Macht der Welpe diese Erfahrung häufiger, entwickelt er immer mehr Gefühl für die Schmerzgrenze der anderen und bekommt eine bessere Selbstwahrnehmung. Er wird bald nicht mehr so hart zubeißen.
Die Erziehung der Elterntiere läuft ähnlich: Erst korrigieren sie grob, indem sie den Täter deutlich fixieren, anknurren und in den Nacken stoßen, so dass er auf den Rücken rollt. Später (ca. ab der 16. Lebenswoche) reicht als Korrektur ein gehobener Kopf mit fixierendem Blick – vorausgesetzt, der Welpe hat bis dahin die Grenzen gelernt.

Wenn wir einen Welpen ins Haus bekommen, sollten wir genauso kommunizieren: Erst grob, dann feiner ... Wir sollten ihn nicht dauernd „verknuddeln“, mit den Fingern vor seinem Maul „fuchteln“ oder Zerrspiele anfangen. Wir sollten ihm auch nicht erlauben, auf unseren Schnürsenkeln oder Hosenbeinen herumzubeißen. Überhaupt sind „Zähne auf Stoff oder Haut“ TABU. Wie setzt man ein Tabu? Siehe oben: Einen schnellen „Nackenstoß“ verpassen und jede Aufmerksamkeit abbrechen!

2. Frust: Er fühlt sich allein gelassen
Der Grund fürs Beißen kann auch komplizierter sein – hier muss man etwas mehr „um die Ecke denken“. Ein Welpe lernt schnell, dass er „allein auf der Welt“ ist, wenn wir ihn „einfach nur Hund“ sein lassen. Darunter verstehen Menschen oft, dass ihr Hund alles „darf“. Gut gemeint, aber „Hund sein“ bedeutet eigentlich, dass man von seinen Rudelmitgliedern etwas beigebracht bekommt. Oft wird ein Welpe zwar ständig gestreichelt, aber keiner zeigt ihm, wie er sich verhalten soll – das führt zu Frust. Nur ein paar Beispiele:

* Er wird allein in den Garten gelassen. Wenn Fremde vorbei- oder gar hereinkommen (die für einen Welpen leicht bedrohlich sind), muss er sie auch allein „verscheuchen“. Zuerst hat er zwar Angst – so etwas machen eigentlich die Mütter – aber später traut er sich immer mehr...
* Seine neue Bezugsperson verteidigt ihn nicht vor hartnäckigem „Begrabschen“ anderer Menschen.
* Er muss sich immer alleine beschäftigen – vielleicht bekommt er ständig Gegenstände, die er kaputt beißen darf.
* Er bekommt gerade dann Aufmerksamkeit, wenn er bellt oder beißt („beruhigende Worte“).
* Sein Mensch spricht ihn oft an, aber es fogt dann nichts Nachvollziehbares (wie das Üben von Signalen, Jagdspiele etc.).

Es läuft fast immer darauf hinaus: Die neue Bezugsperson verhält sich für den Welpen unverständlich oder zu passiv. Er muss sich damit abfinden, alleine klarzukommen. Das ist für einen Welpen logischerweise unnatürlich und praktisch unmöglich – etwa so, als müssten Sie plötzlich in einer Elefantenherde leben, in der niemand Sie versteht. Der Hund entwickelt Verhaltensweisen, die der Mensch dann plötzlich störend findet: Jeden und alles anbellen, knurren, beißen, zerren.

Wir haben einem Welpen das Beißen also immer selbst „beigebracht“. Trotzdem: Es lohnt sich, das eigene Verhalten zu ändern. Jeder Hund – Yorkshire oder Dogge – braucht einen Menschen, mit dem er sich verständigen kann. Vielleicht ist Umdenken gefragt. Ich behaupte: Wer das schafft, ist ein echter Tierliebhaber!
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