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Ralf - 05.08.2007, 18:29
Vom Preiskampf zum Faustkampf - Die einheimischen Kampfsport
Vom Preiskampf zum Faustkampf - Die einheimischen Kampfsportarten Großbritanniens (1630-1730)
Ein Artikel von Martialartsplanet.com
von Louie Pastore

Die westliche Boxkunst war ursprünglich eine Kampfsportart, die sowohl bewaffnet als auch unbewaffnet ausgeführt wurde. Diese Kampfsportart beinhaltete eine große Auswahl unterschiedlicher Waffen, versteckter Tritte, Raufen und Schlagen. Vom späten siebzehnten bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts kämpften Berufsboxer für Geld, Freibier oder einen Pokal gegen jeden, der es mit ihnen aufnehmen wollte. Andere Schaukämpfer kämpften, um die Fähigkeiten eines rivalisierenden Lehrers oder seiner Schüler zu testen oder wegen einer echten oder imaginären Kränkung. Diese kompromisslosen Kämpfe, bei denen fast alle Mittel erlaubt waren, bestanden gewöhnlich aus drei Runden:
eine Runde Schwertkampf mit einer Auswahl echter Schwerter, Dolche und Schilder
eine Runde Boxkampf
eine Runde mit dem Quarterstaff (mittelalterlicher englischer Kampfstab) oder der Keule.

GlutaminDiese frühen "Boxer" mussten nicht nur Kampftechniken mit verschiedenen Waffen beherrschen, sondern trainierten auch eine Variante des Faustkampfes bei der unter anderem in die Augen stechen, ziehen an den Haaren, Kopfnüsse, Tritte gegen das Schienbein, Würfe aus dem Ringen und Raufen auf dem Boden erlaubt waren.


Im Jahr 1637 feierte eine Sammlung von Gedichten "Mr. Robert Dovers Olympic Games auf Cotswold-Hills" diese Kämpfe. In ihnen heißt es "Der Champion mit seinen kraftvollen Fäusten kämpfte um den Preis wie unsere Liste zeigt". Bei diesen Cotswold Olympics wurden auch regelmäßige Wettkämpfe im Schienbeintreten abgehalten.
Im Juni 1663 schrieb Samual Pepys in sein Tagebuch "den ersten Preiskampf den ich in meinem Leben sah, fand im New Theatre, einem ehemaligen Tennisplatz statt. Dieser Kampf wurde von Mathews und einem Kämpfer aus Westwick ausgetragen, welcher ernsthafte Schnitte am Kopf und den Beinen erlitten hatte, so dass er völlig mit Blut überströmt war; er teilte weitere tödliche Schläge aus und steckte ebensolche ein, bis der Westwicker ziemlich in der Patsche steckte." Sie kämpften mit acht unterschiedlichen Waffen und jeweils über 3 Runden pro Waffe.
Im April 1667 sah er im Londoner Bear Garden einen Preiskampf der zwischen einem Soldaten und einem Burschen vom Lande mit dem Namen Warrel, "der den Soldaten gründlich verprügelte", ausgetragen wurde. Im Mai 1667 schrieb Pepys über einen Kampf zwischen einem Schlachter und einem Fährmann. Während dieses Kampfes ließ der Fährmann seine Waffe fallen und bekam sofort einen so schlimmen Schnitt am Handgelenk zugefügt, dass er nicht weiter kämpfen konnte. Später war Pepys Zuschauer bei einem weiteren Kampf zwischen einem Schuhmacher und einem Schlachter. Wie schon im letzten Kampf "wurde der Schuhmacher so schwer am Handgelenk verletzt, dass er nicht weiter kämpfen konnte und der Kampf abgebrochen werden musste."
Der "Protestant Mercury" vom Januar 1681 enthielt den ersten Zeitungsbericht über einen Kampf mit bloßen Fäusten zwischen dem Diener des Duke of Albermarle und einem Schlachter, wobei berichtet wurde, dass der Letztere den Kampf gewann.
Im July 1700 kämpfte John Terrewest im Bear Garden gegen Thomas Hesgate, wobei Runden mit dem Korbschwert, Schwert und Dolch, Schwert und Schild, Schwert und Federhandschuh und dem Falchion ausgetragen wurden. Terrewest erlitt eine Verletzung, Hesgate 5 oder 6, so dass Terrewest zum Sieger gekürt wurde. Ein anderer Kampf fand an diesem Tag zwischen Davis und Gorman statt. Während der ersten Runde wurde Davis an der Kehle verletzt, setzte den Kampf jedoch in Runde zwei fort, in der er Gorman an der Seite verwundete. In derselben Runde erhielt er jedoch einen so harten Schlag auf den Kopf, dass er bewusstlos wurde und in der dritten Runde nicht mehr antreten konnte.
Im Jahre 1711 berichtet ein Artikel im London Spectator von einem "Wettkampf der Knüppelkämpfer, die sich gegenseitig den Schädel einschlugen um ihren Geliebten zu imponieren." Diesem Wettkampf folgte ein Fußballspiel und ein Wettkampf im Ringen.
Zwischen 1713 und 1715 führte der schottische Soldat Donald McBane nach seiner Heimkehr aus dem Krieg eine Kneipe und eine Fechtschule in London, wo er an 37 Preiskämpfen im Bear Garden teilnahm.
Am 23. Juni 1726 kämpfte McBane (im Alter von 63 Jahren) in der Abbey von Holyrood House in Edinburgh auf einer öffentlichen Bühne vor einer großen Menge gegen den irischen Gladiator Andrew O'Bryen. Er fügte ihm sieben Verletzungen zu und brach ihm den Arm mit dem Fauchion (ein kurzes Breitschwert, das am Ende gebogen ist). Der Edinburgh Evening Courant (Juni 1726) berichtete, dass "Old Donald Bane, alias McBane, aus dem Norden von Schottland, den Iren besiegte und ihn fast in seine Einzelteile zerlegte. Er fegte O'Bryen schändlich von der Bühne und forderte so das ganze Land heraus."
Gemäß eines Londoner Zeitungsberichtes aus dem Jahre 1714 arbeitete James Figg, der als der Vater des Boxkampfes angesehen wird, in London für einen gewissen Timothy Buck vom Clare Market. Dem Eral von Peterborough wird nachgesagt, dass er Figg ein Anwesen in der Oxford Street zur Verfügung gestellt hat, wo dieser Faustkampf und den Kampf mit dem Breitschwert lehrte. Figg war so erfolgreich, dass er später in das Adam and Eve zog. Zwischen 1718 und 1719 besiegte Figg 15 namentlich nicht bekannte Gegner.
Im Jahre 1722 forderte eine gewisse Elizabeth Wilkinson eine gewisse Hannah Hyfield zu einem Boxkampf mit einer Siegprämie von 3 Guineas heraus. Das Reglement verlangte von den Kämpferinnen, dass sie mit einer Half-Crown Münze in jeder Hand ins Gesicht der Gegnerin schlagen sollten. Die Kämpferin, welche die Münze als erste fallen ließ, war die Verliererin des Kampfes. Nach Aussage des London Journal "hielten die beiden Frauen den Kampf mit großem Mut für eine lange Zeit aufrecht - sehr zur Freude der Zuschauer."
Im Jahre 1723 befahl King George I den Bau eines von einer Brüstung umgebenen Ringes im Hyde Park, der von der Bevölkerung für die Austragung von Boxkämpfen genutzt werden konnte.
Im Jahre 1725 berichtete eine Zeitung, dass ein italienischer Kämpfer, der "berühmt für seine Boxkünste und seine Siege" war, nach London kommen würde. Dies führte zum wahrscheinlich ersten internationalen Boxkampf in Figgs School of Arms in der Oxford Street. Der Kampf zwischen dem venezianischen Gondoliere Stopa l’Acqua und dem Londoner John Whitaker endete mit einem britischen Sieg.
Im August 1725 kämpften Figg und eine Frau namens Long Meg aus Westminster gegen Ned Sutton und eine namentlich nicht bekannte Gegnerin; Figg und Meg gewannen den Preis von £40.
Im Oktober des Jahres 1726 nahm die englische Meisterin Elizabeth Stokes in Mr Stokes Amphitheatre in London die Herausforderung der irischen Meisterin Mary Welch an, "die üblichen Kämpfe mit den üblichen Waffen auf der Bühne auszutragen."
Im Januar 1727 forderte ein gewisser Hugh MacDonald den "unbesiegbaren Champion aus Kent" Ned Sutton "zu einem Kampf mit den üblichen Waffen" heraus. Sutton behauptete, dass sich MacDonald, der Hibernische Gerber, selbst als der einzige Meister mit dem Stock in Europa bezeichnete und aus diesem Grunde begannen sie ihren Wettkampf mit dem Stockkampf.
Am 6. Juni des Jahres 1727 kämpfte Figg gegen den Pfeifenmacher aus Gravesend, Ned Sutton. Die erste Runde wurde mit dem Schwert ausgetragen und endete mit einem Sieg von Figg, nachdem dieser Sutton mit dem Schwert an der Schulter verletzt hatte. Die zweite Runde war ein Faustkampf, der Würfe und Raufen mit einschloss, welcher auch von Figg gewonnen wurde. Die dritte Runde wurde mit dem Knüppel ausgetragen und von Figg gewonnen, nachdem er das Knie von Sutton zerschmettert hatte.
Die kämpferischen Schausteller und Schaustellerinnen aus Großbritannien und Irland trainierten mit derselben Hingabe wie ihre östlichen Gegenstücke und entwickelten hierbei eine große Vielzahl bewaffneter und unbewaffneter Kampftechniken, verbunden mit einem hohen Grad körperlicher Ausdauer. Mit der Zeit wurden die Kämpfe immer kommerzieller und es wurden Regeln eingeführt, die Raufen, Tritte und die Verwendung von Waffen nach und nach verboten, was schließlich zur Entwicklung der unterschiedlichen Kampsportarten des Boxens, des Ringens und des Fechtens, wie wir sie heute kennen, führte.

by andro.com
Schwerthase - 05.08.2007, 23:27

hmmm, ich zweifle an der Richtigkeit des Artikels. Da sind mir zu viele Ungereimtheiten a la: "blablabla auf einem ehemaligen Tennisplatz" IM JAHRE 1637??? Tennis??? das kam gute 200 Jahre später erst auf. Außerdem: 3 Runden mit unterschiedlichen Waffen? War im europäischen Raum nicht üblich. (Mal ganz davon abgesehen, dass die Wahrscheinlichkeit nach der ersten Runde weiterzukämpfen gleich null ist, wenn die ernst machen.)
Nixon - 05.08.2007, 23:39

Schwerthase hat folgendes geschrieben:hmmm, ich zweifle an der Richtigkeit des Artikels. Da sind mir zu viele Ungereimtheiten a la: "blablabla auf einem ehemaligen Tennisplatz" IM JAHRE 1637??? Tennis??? das kam gute 200 Jahre später erst auf. Außerdem: 3 Runden mit unterschiedlichen Waffen? War im europäischen Raum nicht üblich. (Mal ganz davon abgesehen, dass die Wahrscheinlichkeit nach der ersten Runde weiterzukämpfen gleich null ist, wenn die ernst machen.)

Bei allen Waffenvideos die ich gesehen habe, stnad nach ca 30 sek ein Gewinner, 2 Verliehrer(Gewinner, kann man sehn wie man will) fest... egal messer vs. unbewaffnet, messer vs. stock, messer vs. messer!
Ich finde vorallem sehr beeindruckend wie genau jahreszahl mit Datum und genaue Namen vorhanden sind! wer mal geschichte gehabt hat, weiß wieviel in "der" geschichte geschumelt worden ist.... :roll:
Schwer nachvollziehbar was da genau Fakten entspricht usw!
Schwerthase - 06.08.2007, 07:46

die genauen Daten sind weniger das Seltsame. Ein Freund von mir hat seine Diplomarbeit über Straßenkampf im Mittelalter geschrieben. Recherchiert anhand erhalten gebliebener Gerichtsakten aus den jeweiligen Epochen. Bis auf den Tag genaue Überlieferungen, sind also nichts Ungewöhnliches. Was eher auffällt sind gewisse, seltsam anmutende Details und Formulierungen.

Noch ein Beispiel: "[...] eine Auswahl an Schilder[...]" Tatsächlich wurden in der Zeit keine Schilder mehr verwendet. (Einzige Ausnahme ist der Buckler und der ist kein klassisches Schild)

Bin kein Detailreiter, allerdings häufen sich in dem Artikel Ungereimtheiten und holprige Formulierungen...

Dennoch kann ich mir gut vorstellen, dass einige der Berichte der Wahrheit entsprechen.
Ralf - 06.08.2007, 19:22

Schwerthase hat folgendes geschrieben:hmmm, ich zweifle an der Richtigkeit des Artikels. Da sind mir zu viele Ungereimtheiten a la: "blablabla auf einem ehemaligen Tennisplatz" IM JAHRE 1637??? Tennis??? das kam gute 200 Jahre später erst auf. Außerdem: 3 Runden mit unterschiedlichen Waffen? War im europäischen Raum nicht üblich. (Mal ganz davon abgesehen, dass die Wahrscheinlichkeit nach der ersten Runde weiterzukämpfen gleich null ist, wenn die ernst machen.)

Ich war doch vor Ort, hab einen Lokalaugenschein vorgenommen und alle Daten auf ihre Richtigkeit geprüft! Sonst würde ich sowas nie posten!

Gruss
Schwerthase - 06.08.2007, 22:19

auf einem Tennisplatz aus dem Jahre 1667? Ich zweifle nicht an deiner Beobachtung, jedoch war es wahrscheinlich was Anderes. Es gab zu dem Zeitpunkt einfach noch kein Tennis. Ist ein historisches Fakt.
wiener-blut - 07.08.2007, 08:22

vielleicht wars doch ein squash court ??? :lol:
Ralf - 07.08.2007, 19:14

HAHA oder ein Badmintonfeld?? :lol:

Gruss
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